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Spektakuläres Kunstprojekt Kinder inszenieren Seeschlacht mitten in Delmenhorst

Von Dirk Hamm | 28.07.2019, 21:08 Uhr

Eine Seeschlacht mitten in Delmenhorst konnten am Sonntagnachmittag zahlreiche Schaulustige im Wollepark miterleben. Das steckt hinter dem Spektakel.

Es handelte sich natürlich nicht um echte Piraten, die sich da auf dem See des Parks bekämpften: Die choreografierte Schlacht war Teil einer Inszenierung, einer Oper ohne Gesang, aber mit dramatischer Klangkulisse und selbst entworfenen Kostümen.

Zwei Flöße mit je fünf verwegenen Gestalten darauf begegnen sich auf dem Wasser, umkreisen sich erst, ehe die „Action“ so richtig losgeht und Wasserbomben hin- und herfliegen. Das alles untermalt mit einem beinahe hypnotisierenden Experimental-Soundtrack, der mit gurgelnden Geräuscheffekten beginnt und dann immer dramatischer anschwillt. Plötzlich steigt Rauch auf der kleinen Insel mitten im See auf. Ein geheimnisvoller Schatz lagert dort, der die Piraten magisch anzieht.

Mehrere Akteure arbeiten zusammen

„Menschenherz auf See“ lautete der Titel des gut halbstündigen Stücks. Die Aufführung war Ergebnis eines zehntägigen Intensivworkshops, den Copartikel, die Kunstvermittlungsinitiative der Städtischen Galerie Delmenhorst (Haus Coburg), gemeinsam mit dem Nachbarschaftszentrum Wollepark und dem Jugendhaus Sachsenstraße veranstaltet hatte. 20 Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 14 Jahren nahmen daran teil.

Angeknüpft wurde an ein früheres Projekt vor zwei Jahren. Ein Floß wurde damals gemeinsam gebaut und zu Wasser gelassen, erklärt Aneta Palenga, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Städtischen Galerie. Wieder wurde André Sassenroth als künstlerischer Leiter für den Workshop engagiert, doch der hatte eine Bedingung: Diesmal sollte es nicht einfach nur um den Floßbau gehen, sondern sich daraus mehr entwickeln. Es kristallisierte sich die Idee für „eine Art Oper“ heraus, so Sassenroth.

Historisch belegter Pirat als Inspirationsquelle

Der Bremer, Absolvent der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig, scharte eine Gruppe von Musikern und Kostümdesignern um sich und entwickelte mit ihnen das Konzept für den Workshop. Eine Inspirationsquelle war dabei das abenteuerliche Leben des berüchtigten Piraten Jakob von Oldenburg-Delmenhorst, der im 15. Jahrhundert Hanseschiffe ausraubte.

In dem dreiteiligen Workshop ging es zunächst darum, die schwimmende Bühne zu bauen. Dann schwärmten die Kinder aus und nahmen in der Stadt Geräusche auf, die von den Soundkünstlern zu einer zusammenhängenden Komposition verarbeitet wurden. Zuletzt wurden die Kostüme entworfen.

Für Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie, stand nicht so sehr das Endergebnis des Workshops im Vordergrund:

„Das Miteinander, die kleinen Erfolgsdurchbrüche, das ist dabei das ganz Entscheidende.“

Einige erwiesen sich dabei laut Reckert als „Rampensau“, die es zur Aufführung vor Publikum drängte, während andere lieber ihre Kreativität hinter den Kulissen auslebten. Gefördert wurde der Workshop vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“, dem Verfügungsfonds Wollepark und dem Freundeskreis Haus Coburg.

Schatzkiste voller Süßigkeiten

Dass gemeinsam zu handeln viel mehr bringt als sich zu bekämpfen, war dann auch die Quintessenz der Aufführung. Denn als das Schlachtgetümmel abrupt beendet wurde und man gemeinsam die geheimnisvolle Insel ansteuerte, konnten die Piraten zusammen den Schatz heben.

Goldene Dukaten befanden sich freilich nicht in der Schatzkiste, sondern Süßigkeiten. Die schmeckten dann anschließend besonders gut beim Fest am Seeufer, in das die Aufführung mündete.