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500 Arbeitsstunden statt Gefängnis Jugendgericht verurteilt jungen Delmenhorster wegen Marihuana-Verkäufen

Von Ole Rosenbohm | 03.07.2019, 09:23 Uhr

Das Delmenhorster Jugendschöffengericht hat einen 21-Jährigen wegen Marihuana-Verkäufen verurteilt. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgte das Gericht allerdings nicht: Der junge Delmenhorster muss nun 500 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.

Haft im Knast für Erwachsene oder Bewährungsstrafe mit erzieherischen Auflagen nach Jugendstrafrecht? Diese Frage musste jetzt ein Jugendschöffengericht im Fall eines zur Tatzeit 20 Jahre alten Delmenhorsters entscheiden. Der Mann hatte in 26 nachgewiesenen und von ihm eingeräumten Fällen kleinere Mengen – jeweis ein bis drei Gramm – Marihuana verkauft. Erschwerend für den heute 21-Jährigen kam hinzu, dass er bereits wegen diverser Eigentumsdelikten verurteilt worden war und schon lange Monate im Jugendgefängnis gesessen hatte. Wegen der Vorstrafen beantragte die Staatsanwaltschaft die harte Sanktion: acht Monate Gefängnis, keine Verurteilung gemäß Jugendstrafrecht.

Gericht sieht keine abgeschlossene Persönlichkeitsentwicklung

Das Delmenhorster Gericht aber sah im Angeklagten – zur Tatzeit gerade noch Heranwachsender – noch keine abgeschlossene Persönlichkeitsentwicklung. Er gleiche eher einem Jugendlichen denn einem Erwachsenen, urteilte es und entschied sich daher für die Jugendstrafe. Auch die laufende Bewährung ließen die Richter – bis auf die Erteilung neuer Bewährungsauflagen – unangetastet.

Der Angeklagte habe sich, so der Vorsitzende, bis auf die Drogendelikte seit seiner Haftentlassung 2017 nichts mehr zuschulden kommen lassen. Insgesamt konstatierte er eine „erfreuliche Beruhigung“ im Lebenswandel des Angeklagten – wenn da nicht der Marihuana-Konsum wäre. Vor Gericht kam heraus: Der 21-Jährige raucht schon seit frühen Jugendjahren Gras, hat möglicherweise auch im Jugendgefängnis damit nicht aufgehört.

Angeklagter rückt wegen Ermittlungen gegen jemand anderes in den Fokus

In den Fokus der Polizei geriet er vor einem Jahr, als sein Name im Zuge von Ermittlungen gegen jemand anderen aufploppte. Chatverläufe aus dem Handy des eigentlich Verfolgten legten nahe: Der heute 21-Jährige kaufte und verkaufte Marihuana. Die Ermittlungen weiteten sich auf ihn aus, es folgte die Hausdurchsuchung. Vor Gericht gestand der junge Mann die Mehrzahl der Verkäufe, lediglich einen angeklagten Handel mit 25 Gramm bestritt er. Dieser ließ sich auch nicht nachweisen.

Geht die in diesem Fall deutlich anders als das Gericht positionierte Staatsanwaltschaft nicht in Berufung, wird der 21-Jährige als erzieherische und „unterstützende Maßnahme zur Stabilisierung“ 500 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten müssen. Zu den Bewährungsauflagen gehören auch die Weisungen, Termine bei der Drogenberatung wahrzunehmen und sich um einen Ausbildungsplatz zu bemühen.