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Kalender des Heimatvereins Delmenhorst Alte Fotos erzählen von wandernden Tanzhallen und Sprungtürmen

Von Sonia Voigt | 09.07.2019, 16:44 Uhr

Die beachtlichen Ausmaße früherer Industrieanlagen, aber auch Freizeitmöglichkeiten im historischen Delmenhorst zeigt der neue Kalender des Heimatvereins

Neubürgern Einblicke in die Stadtgeschichte geben, bei alteingesessenen Delmenhorstern Erinnerungen wecken und nebenbei etwas Werbung für die Heimatstadt machen: Diese Ziele verfolgt der Heimatverein Delmenhorst mit seinem jährlich erscheinenden Kalender, der überwiegend historische Bilder mit einigen aktuellen Stadtansichten vereint. Die Bildauswahl lag auch beim mittlerweile zwölften Kalender in den Händen von Helmut Steinert, der im Ausschuss Stadtgeschichte mitarbeitet. Dem früheren Vorsitzenden und Ehrenmitglied des Heimatvereins ist die Aufgabe "eine Freude", was ihm bei der Vorstellung des Bildkalenders für 2020 deutlich anzumerken ist: Zu jeder Abbildung hat er Hintergrundwissen und Anekdoten parat.

Nachbarin steuert historische Omnibus-Aufnahme bei

Gleich das Auftaktbild, das mit einem leuchtenden Sonnenaufgang eine positive Stimmung für das Jahr setzen soll, hat er in seiner eigenen Nachbarschaft an der Rotterdamer Straße in Deichhorst geschossen. Aber auch zum Februar-Foto, das den Delmenhorster Rathausplatz 1954 zeigt, hat er einen persönlichen Bezug: Seine langjährige Nachbarin, die Tochter des damaligen Omnibus-Unternehmers Alfred Sager, hat ihm die historische Ansicht mit Blick über die Businsel auf den Ratskeller übergeben.

Das März-Kalenderblatt zeigt das Nebeneinander von alten Mauerteilen und neuem Lichthof in der Volkshochschule. Darauf folgt ein über hundert Jahre altes Foto der auf moorigem Untergrund befestigten Cramerstraße, die in Richtung Bremen durch Delmenhorsts erstes Naherholungsgebiet führte. Dort wo sich heute Bremer und Syker Straße gabeln, begann laut Steinert ein Föhrenwald mit Milch- und Bierausschank. Nach der Bahnhofstraße kurz vor dem Ersten Weltkrieg, kommt die Graft-Badeanstalt als Delmenhorsts erste Bademöglichkeit zum Zuge. "Der Sprungturm ist später an den Silbersee nach Stuhr gekommen", erinnert sich Steinert aus seinen Zeiten als DLRG-Vorsitzender.

Der später durch ein Feuer vernichtete pompöse Schützenhof im damals noch eigenständigen Adelheide ist zu sehen, ebenso die von dort an die Graft verlegte hölzerne Festhalle, die Schauplatz vieler Tanzveranstaltungen war, bevor sie 1979 Platz machte für die inzwischen ebenfalls verschwundene Delmehalle. Aber auch die Villen an der Oldenburger Straße, die ganze Ausdehnung der Mondamin-Werke an der Mühlenstraße 1960 sowie der Bremer Linoleumwerke Delmenhorst um 1909 werden auf eigenen Kalenderblättern sichtbar.

Heimatfreunde warten schon auf neuen Kalender

"Auf den neuen Kalender wird immer schon gewartet", weiß Helmut Steinert. Daher macht es dem 81-Jährigen umso mehr Spaß, eigene Aufnahmen und solche aus dem Stadtarchiv, den Museen und dem dk-Archiv zusammenzustellen und zur Bearbeitung an die Verdener Kalender-Manufaktur zu übergeben. Den fertigen Kalender für 2020 gibt es ab sofort für 19 Euro im dk-Ticketshop an der Langen Straße, in den Delmenhorster Buchhandlungen, im Rathaus und den Museen.