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Neue Kampagne Caritas in Delmenhorst setzt verstärkt aufs Wir-Gefühl

Von Jasmin Johannsen | 19.07.2019, 23:12 Uhr

Der Landes-Caritasverband will den gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern und stärken.

Jedem, der die Louisenstraße in diesen Tagen durchquert, springen die überdimensionalen Worte „Wir > Ich“ sofort ins Auge. Aber was steckt hinter den roten Buchstaben, die auf dem weißen Plakat prangen? Nichts Geringeres als das Anliegen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und zu stärken. Dieses Ziel hat sich zumindest der Landes-Caritasverband für Oldenburg für seine diesjährige Kampagne „Wir ist größer als ich / Wir > Ich“ gesetzt, zu der das Plakat gehört.

Prinzip der Solidarität

„Wenn es am gesellschaftlichen Zusammenhalt fehlt, dann geht etwas Wichtiges verloren“, sagt der Geschäftsführer des Delmenhorster Caritasverbands Peter Schmitz. Vom ehrenamtlichen Einsatz bis hin zum Umgang mit Schwächeren würde die Gesellschaft auf das Prinzip der Solidarität bauen. Dass der Zusammenhalt durchaus gefährdet sei, sehe Schmitz tagtäglich in den Beratungsangeboten des Verbands: „Die Ellenbogen werden immer mehr ausgefahren.“

Für ein besseres Miteinander

Viele der Hilfesuchenden seien „Opfer der Umstände“, weil die Solidarität oft eben doch fehle. Genau da will die Kampagne ansetzen und sich für ein besseres und vor allem menschlicheres Miteinander engagieren. Vier Wortpaare – die jeweils durch das mathematische Zeichen > (größer als) verbunden sind – hat sich die Caritas dafür überlegt: Neben „Wir > Ich“ hängen zwischen Nordsee und den Dammer Bergen auch Plakate mit den Aufschriften „Taten > Worte“, „Vertrauen > Angst“ und „Liebe > Hass“ aus, die für den „Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält“ werben sollen.

"Keine Wagenburgmentalität"

Ganz im Sinne der christlichen Nächstenliebe wünsche sich der Caritasverband, dass Diskussionen wieder auf eine angemessene Weise geführt werden. „Wenn bei populistischen Demonstrationen in Ost und West inzwischen nicht mehr Dinge kritisiert, sondern Personen an den Pranger gestellt oder gar mit einem Galgen gezeigt werden, ist eine Grenze weit überschritten“, schreibt der Verband auf der Kampagnen-Homepage. Stattdessen müsse das Gespräch gesucht werden: „Wir wollen klarstellen, dass das Gemeinsame wertvoller ist, glücklicher macht als eine sich einigelnde Wagenburgmentalität.“

Kirche bietet gute Plattform für Gespräche

Die Kampagne, die im Internet unter Protected link zu finden ist, wendet sich speziell auch an junge Menschen. Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 13 können dort an einem Fotowettbewerb teilnehmen, der mit einem Preisgeld von bis zu 1000 Euro ausgelobt ist. „Die Kirche bietet eine gute Plattform für Gespräche über das Thema“, sagt die Vorsitzende des Delmenhorster Caritasverbands, Gerlinde Wilms. Deshalb soll es im Herbst auch Veranstaltungen in Delmenhorst geben, zu denen alle Interessierten eingeladen sind. „Zurzeit versuchen wir, noch einen Referenten für ein Diskussionsforum zu gewinnen“, kündigt Schmitz an. „So wollen wir das Thema zum Leben erwecken.“