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Theatercamp in Delmenhorst Gefahr durch Ausgrenzung beschäftigt junge Schauspieler

Von Jan Eric Fiedler | 20.07.2019, 19:15 Uhr

In Delmenhorst haben 22 Jugendliche aus drei Ländern ein Theaterstück aufgeführt. Es ging um Europa und um die Gefahr durch Ausgrenzung.

Jugendtheater lockt offenbar nicht nur Jugend. Auch einige Besucher jenseits der 60 wollten sich am Freitagabend nicht entgehen lassen, welche Visionen die Generation ihrer Enkel von und vor allem für Europa hat. Zehn Tage lang haben Schüler aus Delmenhorst, dem französischen Allonnes und Pamplona in Spanien gemeinsam geprobt. Das Ergebnis ihres Theater-Camps haben sie am Freitag vor rund 100 Zuschauern im Kleinen Haus aufgeführt. Der Titel: Acting new societies – Inszenierung neuer Gesellschaften.

Prinzessin Europa ist krank

Prinzessin Europa ringt mit dem Tod, während einer Talkshow erleidet sie eine Art Zusammenbruch mit Zitterattacken, und die herbeigerufene Ärztin erkennt sofort: Es steht nicht gut um die Patientin - da helfen weder das Samtkleid noch das Krönchen auf dem Kopf. Wenn sie überhaupt noch etwas retten kann, dann eine strenge Diät: kompletter Verzicht auf Fremdenhass und Ausgrenzung.

Pantomimische Darstellung

Ihren Text tragen die Schauspieler im Alter ab 15 Jahren abwechselnd auf Deutsch und Englisch vor. Im weiteren Verlauf des Abends brauchen die 22 jugendlichen Akteure dann keine Sprache mehr, um zu zeigen, welche Gefahren sie für Europa sehen. Sie stellen kleine Szenen pantomimisch dar. Denn auch ohne Text wird der Mechanismus von Ausgrenzung deutlich – mal subtil, mal völlig offensichtlich. Eine weiß gekleidete Figur mit weißer Maske versucht immer wieder, Teil des gesellschaftlichen Ganzen zu werden – ohne Erfolg. Integrieren kann sich eben nur, wer dazu auch die Chance bekommt.

Großes Interesse an der Thematik

Wie sich Fremdenhass und Abgrenzung auswirken können und wie kritisch die europäische Idee von vielen gesehen wird, erleben die Jugendlichen momentan auch in ihren Heimatländern. Europaskepsis ist eben auch in Spanien und Frankreich sehr verbreitet. Entsprechend groß war auch das Interesse der jungen Schauspieler an diesem Thema. Bevor es in Delmenhorst ans gemeinsame Proben ging, haben sich die Schüler in ihren Herkunftsländern bereits Gedanken zu der Aufführung gemacht und Szenen erarbeitet.

Vorbereitungen seit November

„Wir wollten den Jugendlichen bei der Entwicklung des Stücks keine zu strengen Vorgaben machen“, erklärt Mario Berger-Naujoks vom Fachdienst Jugendarbeit, „es soll um Europa gehen und um das Thema Zuwanderung.“ Seit November hat er die internationalen Theatertage in Delmenhorst geplant. Schauspielerische Vorerfahrung mussten die Jugendlichen nicht mitbringen. Einzige Voraussetzung zur Teilnahme an dem Theaterprojekt: Lust aufs Schauspielern. Neben den Proben hatten die Jugendlichen auch genügend Zeit, die Gegend kennen zu lernen - und natürlich ihre Schauspielkollegen.