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Rock- und Pophits in Delmenhorst A-cappella-Gruppe sorgt für Gänsehautmoment im Kleinen Haus

Von Sonia Voigt | 18.05.2019, 16:23 Uhr

Modern und mitreißend statt angestaubt und altbacken: Die A-cappella-Gruppe „OnAir“ lieferte am Freitagabend im Kleinen Haus trotz einiger Pannen eine äußerst unterhaltsame Show ab.

Erst gingen die Lichter nicht aus, dann das Mikrofon nicht an. Als die Berliner A-cappella-Formation „OnAir“ am Freitagabend auf die Bühne des Kleinen Hauses trat, standen die Sterne für ein unterhaltsames Konzert mehr als ungünstig. „Das kann nur 40 bis 50 Minuten dauern, dann haben wir wieder alles im Griff“, spielten die fünf Bandmitglieder charmant über die Panne hinweg. „Vielleicht fahren wir schnell zu Media Markt und Sie gehen noch etwas trinken?“ Den Saal verlassen mussten dann aber weder die Bandmitglieder noch einer der rund 220 Zuschauer – nach wenigen Minuten waren alle Probleme behoben und die Show „Vocal Legends – Große Stimmen der Pop- und Rockgeschichte“ konnte beginnen.

Programm als "Kniefall" vor großen Stimmen

„Wir sind eigentlich keine Comedy-A-cappella-Gruppe, auch wenn sich das gerade so angehört hat“, beteuerte André Bachmann prompt. Auch wenn die Moderation des Abends äußerst amüsant ausfiel, liegt das eigentliche Fachgebiet des Tenors und seiner Bandkollegen Marta Helmin (Sopran), Patrick Oliver (Beatbox), Jennifer Kothe (Sopran) und Kristofer Benn (Bass) im Gesang. Ganz ohne instrumentelle Unterstützung wussten die Vokalisten das gesamte Theater nur mit der Stimme auszufüllen. Und zwar indem sie Hits aus Rock, Pop und Funk live sangen. „Dieses Programm ist ein Kniefall vor den großen Stimmen, die uns schon immer begeistert haben und es auch weiter tun werden“, erklärte Bachmann.

Beeindruckende Lichtshow und moderne Titel

Ob Stevie Wonders „Superstition“, „Adventure of a lifetime“ von Coldplay oder Queens „Radio Gaga” – weltbekannte Songs luden zum Mitsingen- und klatschen ein, was das Publikum selbst nach mehrfacher Animation allerdings nur zögernd tat. Die anfängliche Reserviertheit der Zuschauerinnen und Zuschauer tat der guten Laune des Quintetts hingegen keinen Abbruch. Das Programm der zwei Sängerinnen und drei Sänger hatte kaum etwas mit herkömmlicher A-cappella-Musik gemeinsam.

Zum einen lag das an der beeindruckenden Lichtshow, die die Musiker in Szene setzte. Zum anderen an der Titelauswahl, die auch neuere Stücke wie Estelles und Kanye Wests „American Boy“ und „Bang Bang“ von Jessie J, Ariana Grande und Nicki Minaj einbezog. Jennifer Kothe legte hier besonders viel Soul in ihre Stimme und wusste selbst als Rapperin zu überzeugen.

Duett lässt Gänsehautmoment entstehen

Zweifellos einer der Gänsehautmomente des Abends: Patrick Oliver und Jennifer Kothe stimmten im Duett Sinéad O’Connors „Nothing compares 2 U“ an, während Marta Helmin, Kristofer Benn und André Bachmann im Hintergrund den Chor bildeten. Beinahe orientalisch mutete die wunderbar stimmige Version von „OnAir“ an. Für die berührende Ballade gab es dann auch viel Applaus vom inzwischen etwas engagierteren Publikum.

Besonders beeindrucken konnte Marta Helmin mit Led Zeppelins „Stairway to heaven“. „So ein Lied darf man eigentlich nicht A-cappella singen“, wussten die Bandmitglieder. Schließlich bestehe das halbe Stück aus einem Gitarrensolo. Marta Helmin bewies allerdings, dass es doch klappen kann. Faszinierend, wie die ausgebildete Sängerin und Musicaldarstellerin ihre Stimme spielen ließ, so dass es sich beinahe nach einer E-Gitarre anhörte.

Ein durchweg kurzweiliges Konzert, das vor allem von der abwechslungsreichen Liederauswahl profitierte. Vom leicht angestaubte Image, das A-cappella-Musik häufig anhaftet, war bei „OnAir“ und ihren „Vocal Legends“ jedenfalls nichts zu spüren.