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Delmenhorster gesteht spät Mann muss nach Supermarkt-Überfällen lange in Haft

Von Ole Rosenbohm | 21.05.2019, 18:01 Uhr

Nachdem er fünf Mal Supermärkte ausgeraubt hatte, muss ein Delmenhorster nun sechs Jahre ins Gefängnis. Er gestand spät.

Spät, erst am vierten Prozesstag vor dem Landgericht Oldenburg, rang sich der 42-jährige Delmenhorster zum Geständnis durch: Ja, er habe von August bis Oktober 2018 in fünf Fällen Kassiererinnen in Supermärkten mit einer echt wirkenden Spielzeugpistole bedroht und aus den geöffneten Kassen Scheine gegriffen, richtete er am Dienstag über seinen Verteidiger aus. Das Gericht sprach noch am selben Tag das Urteil wegen schweren Raubes: sechs Jahre Haft sowie die Unterbringung in eine geschlossene Entzugsklinik.

Kassiererinnen mit Schlafstörungen und Angstzuständen

Mehrere Kassiererinnen hatten schwer zu tragen an den Erlebnissen. Sie mussten sich in Behandlungen begeben, litten an Schlafstörungen, eine gab ihren Job an der Kasse wegen ständigen Angstzuständen auf.

Für den Täter war es nicht der erste Raub. Schon von 1996 bis 1998 hatte er wegen eines Falles in Haft gesessen, 2006 erneut für einen Überfall auf eine Tankstelle in Delmenhorst – begangen mit einer ähnlichen Methode wie 2018 in den Supermärkten in Oldenburg (dreimal), Stuhr und Bremen. Der Richter sagte, dass sich zwar das späte Geständnis leicht strafmildernd auswirkte, die übrigen Beweise aber ausreichend für eine Verurteilung gewesen wären.

Griff zur Droge bei Drucksituationen

In der Anwalts-Erklärung sowie einem psychiatrischen Gutachten wurde mehr über die Hintergründe der Taten offenbar. Demnach war der Angeklagte zwischen den Überfällen lange Jahre ein recht erfolgreicher Arbeitnehmer oder Geschäftsmann – allerdings auch ein intensiver Kokain-Konsument. Besonders in Drucksituationen griff er vermehrt zur Droge – so auch, als er ab 2017 nach einer Rückkehr nach Delmenhorst trotz Angeboten ohne Aufgaben dastand. Als Ersparnisse aufgebraucht waren, musste er sich Einnahmequellen suchen. Denn, so der Richter, „Kokain ist teuer, intensiver Konsum lässt sich durch normale Arbeit kaum finanzieren“.

Selbstverständnis als erfolgreicher Geschäftsmann

Es sei für den Angeklagten schwer gewesen, sich die Sucht einzugestehen, sagte die psychiatrische Gutachterin. In seinem Selbstverständnis sehe er sich als erfolgreichen Geschäftsmann, nicht als Süchtigen ohne Aufgabe, der ständig mit dem Auto umherfuhr, um Supermärkte und ihre Parkplätze nach Fluchtwegen auszukundschaften.

Die Gutachterin diagnostizierte beim Angeklagten eine Drogensucht, die bei nächsten Schwierigkeiten zu neuen Taten führen könne. Daher entschied sich das Gericht für die Entzugstherapie. Die ist eine Chance für den 42-Jährigen: Die Therapie kann er in einem halben Jahr antreten, nach zwei Jahren zur Bewährung entlassen werden. Aber: Schafft der Mann sie nicht – und die meisten Patienten scheitern –, bleibt es bei sechs Jahren.