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6. Streitschlichter-Forum Wenn Jugendliche helfen, dass Streit nicht eskaliert

Von Bettina Dogs-Prößler | 22.05.2019, 20:11 Uhr

Wenn es Streit gibt unter Delmenhorster Jugendlichen, haben die besten Chancen als Schlichter – die Jugendlichen selbst.

Ein falscher Blick, ein unbedachtes Wort: „Meist ist es ein profaner Grund und es kommt zum fettesten Streit.“ Dass Kinder und Jugendliche in diesen Fällen die besseren Vermittler sind, davon ist Polizeidirektor Carsten Hoffmeyer überzeugt. Beim sechsten Streitschlichter-Forum, das gestern in der evangelischen Jugendkirche St. Paulus veranstaltet wurde, sagte der stellvertretende Leiter der hiesigen Polizeiinspektion: „Eure Möglichkeiten sind besser als die der Polizei oder anderer Erwachsenen, weil ihr die gleiche Sprache sprecht und wisst, worum es geht.“

Jugendhilfe und Präventionsrat organisieren zusammen

Zum sechsten Mal hat der kommunale Präventionsrat der Stadt Delmenhorst zusammen mit der Delmenhorster Jugendhilfe-Stiftung ein Forum für die ausgebildeten Streitschlichter organisiert, die täglich von der Grundschule bis zur BBS ehrenamtlich als Vermittler im Einsatz sind. Standen im vergangenen Jahr die Grundschüler im Mittelpunkt des Forums, richtete sich die mit Workshops und Theater angereicherte Veranstaltung dieses Mal an die Streitschlichter der weiterführenden Schulen.

Nicht vor dem Gespräch davonlaufen

„Es ist immer eine gute Lösung, wenn Kinder und Jugendliche selbst einen Weg aus dem Konflikt finden“, meinte Oberbürgermeister Axel Jahnz in seinem Grußwort vor rund 60 Teilnehmern. Durch die Vermittler lernten sie, sich nicht in der Anonymität der Sozialen Medien zu verstecken. „Sie lernen, sich dem Konflikt im direkten Gespräch zu stellen und nicht davonzulaufen.“

Streit durch Kommunikationsschwierigkeiten

Wie effektiv der Einsatz von Streitschlichtern ist, weiß der ehemalige Schüler Ole Meyer, der bei der Jugendkirche St. Paulus derzeit ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert. „Der Vorteil als Schüler ist, dass man die Situation kennt und weiß wie es in der Klasse abläuft“, schilderte der 18-Jährige. Dazu wirke sich die Erfahrung, auch im Streitgespräch ruhig miteinander umzugehen, auch auf andere Bereiche des Lebens aus. „Ein Streit entsteht ja meistens nur durch Kommunikationsschwierigkeiten. Wenn darüber gesprochen wird, ist das Missverständnis in der Regel auch beseitigt“, so Meyer.

Erstmals ist das Maxe dabei

Auch die Schulen erkennen offenbar zunehmend den Wert der Streitschlichter-Ausbildung. Sechs weiterführende Einrichtungen haben in diesem Jahr Mädchen und Jungen zum Forum geschickt, bei dem Workshops angeboten wurden wie „Ehrenmänner und Ehrenfrauen?“, „Stress im Netz“, „Wendo für Mädchen“ und „Die sind einfach alle so!“. Neben der Wilhelm-von-der-Heyde-Oberschule, der Oberschule Süd, der Realschule, dem Schulzentrum West und der Berufsbildenden Schule I hat sich erstmals auch das Max-Planck-Gymnasium beteiligt. „Wo es etabliert ist, werden die Streitschlichter immer mehr genutzt“, schilderte die Sozialpädagogin Mirjam Tünschel von der Delmenhorster Jugendhilfe-Stiftung.

Andere Facetten als gedacht

„Mit dem Forum wollen wir zeigen, dass Jugendliche andere Facetten haben als oft gedacht und sich durchaus engagieren und Verantwortung übernehmen“, betonte Ruth Steffens vom Kommunalen Präventionsrat. „Und ihnen gleichzeitig unsere Anerkennung und Wertschätzung aussprechen.“ Immerhin leisteten sie auch nach Ansicht von Polizeidirektor Carsten Hoffmeyer einen wichtigen Beitrag dazu, dass Streits nicht eskalierten. „Oder, um es zeitgemäß auszudrücken: Ihr seid Friedens-Influenzer.“