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Nach der Erbschaft ging es bergab Gericht honoriert Entwicklung bei Delmenhorster Betrüger

Von Jan Eric Fiedler | 28.01.2019, 12:09 Uhr

Die gute Entwicklung eines Angeklagten in den vergangenen Monaten haben Landgericht und Staatsanwaltschaft in einem Berufungsverfahren honoriert. Der 30 Jahre alte Mann war wegen Betruges erstinstanzlich zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

Eigentlich strebte die Staatsanwaltschaft bei der Berufungsverhandlung ein härteres Urteil an, ihr Vertreter zog die Berufung beim Prozess am Freitag aber schnell zurück, nachdem er vom Werdegang des Delmenhorsters erfahren hatte.

EC-Karte eines anderen genutzt

Das Urteil wegen Betruges – der Mann hatte mit der EC-Karte eines anderen in neun Fällen insgesamt knapp 3000 Euro abgehoben – war nicht das erste gegen den 30-Jährigen. Rohheits- und Verkehrsdelikte sowie Verstöße gegen das Tierschutzgesetz stehen in seinem Register. Der Mann hat auch schon Haftstrafen verbüßt. Lange am Stück Vollzeit gearbeitet hatte er nie.

Mit Erbschaft überfordert

Neue Probleme bekam er nach einer Erbschaft, die er wohl besser hätte ausschlagen sollen. Doch er behielt den mit Verbindlichkeiten belasteten Hof seines verstorbenen Vaters, war mit ihm aber offenbar überfordert. Zudem bekam er nach der Erbschaft keine Sozialhilfe mehr, lebte lediglich von einem 450-Euro-Job. Derweil verwahrloste der Hof. Inzwischen ließ der Landkreis die Tiere abholen. Die Rechnung dafür, sagt sein Anwalt, betrage 100.000 Euro.

Diverse Auflagen für 30-Jährigen

Nach der Verhandlung in Delmenhorst verbesserte sich die Situation, auch weil er die gerichtlichen Auflagen befolgte: zu seiner Mutter nach Delmenhorst ziehen, keine Tiere mehr halten, ein Anti-Aggressions-Training absolvieren. Durch letzteres seien Rohheitsdelikte nicht mehr zu erwarten, den Verkehr gefährden könne er ohne Fahrzeuge auch nicht mehr, sagte sein Anwalt. Weil er auch noch eine Beschäftigung gefunden hat, bei der er vom Chef viel Lob bekommt, zog der Staatsanwalt seine Berufung zurück. Der Richter war einverstanden: „Genau dieses Ergebnis“, sagte er, „hätten wir von Gerichtsseite auch angeregt“.