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Freiwillige gesucht Soundarchiv soll Delmenhorster Kulturgut bewahren

Von Sascha Sebastian Rühl | 03.02.2019, 14:41 Uhr

Die immaterielle Kultur der Stadt zu erhalten ist das Ziel des Projektes „Mitschnitt Delmenhorst“. Dazu nehmen die Initiatoren typische Stadtgeräusche, wie Gesangsgruppen, für das Soundarchiv auf.

Was macht eine Stadt aus? Die Bauten, die das Straßenbild prägen. Die Rituale und Traditionen. Und natürlich die Menschen, die dort leben. Wohl erst nach längerem Überlegen, fällt einem ein, dass auch die Geräuschkulisse in jeder Stadt verschieden ist. Um genau diese immaterielle Kultur – nämliche Laute – festzuhalten, hat das Nordwestdeutsche Museum für Industriekultur das Projekt „Mitschnitt Delmenhorst – Tonspuren einer Stadt“ ins Leben gerufen. „Wir sind auf der Suche nach den besonders charakteristischen Geräuschen“, erklärt Bernd Entelmann der das Konzept mit entwickelt hat.

Auch Chor leistet seinen Beitrag

Solche ganz charakteristischen „Geräusche“ für Delmenhorst erzeugt den Initiatoren auch der Gesangsverein Teutonia, weshalb sie diesen am Montagabend bei der wöchentlichen Probe mit der eigens entwickelten Aufnahmebox im Willms-Gymnasiums besuchten. „Wir haben natürlich erstmal gelächelt, als es hieß, dass bei dem Projekt Geräusche aufgenommen werden sollen“, berichtet Sabine Heruth, erste Vorsitzende des Chors, „aber dann haben wir uns darüber gefreut, dass wir auch einen Beitrag leisten können.“

„Insalata Italiana“ nun Teil des städtischen Kulturguts

Unter „Sounds“ oder Geräusche fassen die Projektleiterinnen Maike Tönjes und Anne Angenendt so ziemlich alle Klänge, die mit der Stadt in Verbindung gebracht werden können. „Da war der Gesangsverein Teutonia bei unserer Auswahl natürlich ganz vorne mit dabei“, sagt Tönjes. Schließlich existiert der Chor bereits seit 1863 und zählt mit seinen zahlreichen Konzerten zu den aktivsten Gesangsgruppen der Stadt. Nun sind also auch das „Delmenhorst-Lied“ und „Insalata Italiana“ im Soundarchiv verewigt.

Jedes Geräusch ist willkommen

„Wir haben bis jetzt nur positive Erfahrungen mit dem Projekt gemacht, überall wurden wir mit offenen Armen empfangen“, freut sich Tönjes. Zwar werde vordergründig der Raumklang aufgenommen, vereinzelt seien aber auch Interviews mit Delmenhorstern zu verschiedenen Themen möglich. „Durch die Field-Recording-Station sind wir mobil, wir könnten sogar im Wald aufnehmen“, erläutert die Projektleiterin. Seit vergangen November sind die Verantwortlichen unterwegs, haben bereits auf dem Weihnachtsmarkt mitgeschnitten. „Wir sind aber immer offen für Tipps oder Vereine, die mit ihren Geräuschen auch in das Archiv aufgenommen werden möchten“, unterstreicht Tönjes.

Archiv bleibt länger erhalten

Gegliedert ist das Projekt, das durch den Fonds für Stadtmuseen „Stadtgefährten“ der Kunststiftung des Bundes gefördert wird, in drei Phasen. Die erste, „REC – Die Aufnahmebox“ gewährt noch bis zum November 2019 die Möglichkeit für Mitschnitte. „PLAY – Die Soundwerkstatt“ folgt ab kommenden Mai bis in den April 2020 als zweite Phase. Hier wird eine Werkstatt in der City eingerichtet, in der Workshops und andere Veranstaltungen sattfinden. Die dritte Phase beginnt im Frühjahr 2020 mit „FWD – Die Audiogalerie“. Dann soll die mobile Ausstellung durch die Delmenhorster Stadtteile wandern, bevor sie dauerhaft in das Stadtmuseum einzieht. „Damit bleibt das Audioarchiv auch nach der Projektzeit erhalten“, weiß Tönjes.

Noch Klänge gesucht

Wer einen Tipp zu Orten mit charakteristischen Geräuschen in Delmenhorst hat, der kann sich bei Maike Tönjes per Mail an maike.toenjes@mitschnitt-delmenhorst.de melden. Anne Angenendt ist erreichbar per Mail an anne.angenendt@mitschnitt-delmenhorst.de.