Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Gespräch im IWK Delmenhorst Dem Fachkräftemangel in der Heilerziehungspflege begegnen

Von Marco Julius | 05.02.2019, 13:17 Uhr

Wie kann man dem Fachkräftemangel in Gesundheitsfachberufen und dabei ganz speziell im Bereich der Heilerziehungspflege entgegenwirken? Diese Frage ist am Dienstag zentraler Bestandteil eines Gespräches gewesen, dass die SPD-Bundestagsabgeordnete Susanne Mittag im Institut für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege an der Lahusenstraße auf der Nordwolle geführt hat.

Im Austausch mit Geschäftsführerin Silke Watzke und Christel Meyners, Schulleiterin der Heilerziehungspflege sprach sich Mittag dafür aus, den Beruf aufzuwerten, in dem man die Schulgeldfreiheit und eine angemessene Ausbildungsvergütung auf den Weg bringt. „Die Erstausbildung sollte kostenfrei sein“, betonte Mittag.

Berufsbezeichnung ändern?

Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen sind für die Begleitung und Unterstützung von Menschen mit einer Behinderung verantwortlich und können in allen Bereichen der Behindertenhilfe vielfältig eingesetzt werden. „Die Berufsbezeichnung ist irreführend und veraltet“, sagte Meyners, vor allem weil er die Betonung der Pflege nahelegt. „Das ist aber so nicht richtig“, betonte Meyners.

Die Zahl der Schülerinnen uns Schüler sie zuletzt rückläufig. „Dabei bietet die Ausbildung quasi eine Jobgarantie. Viel, die im Herbst ihre Ausbildung bei uns abschließen, haben bereits einen Vertag in der Tasche“, sagte Watzke. Zudem biete die Ausbildung auch gute Aufstiegschancen. Heilerziehungspfleger und -pflegerinnen könne zum Beispiel Leitungsaufgaben in Kindertagesstätten übernehmen, wenn sie in integrativen oder Sonderkindergärten tätig sind. „Wer bei uns die Ausbildung absolviert, der ist sozial- und heilpädagogisch sowie pflegerisch umfassend ausgebildet. Solche Kräfte werden gerade in den zunehmend inklusiv aufgestellten Bildungseinrichtungen benötigt“, erläuterte Watzke.

Tarifliche Lösung?

Für Mittag zählt der Berufsstand zu der Heilerziehungspfleger und --pflegerinnen zu den „leisen Berufen“. „Er ist manchmal in der Diskussion nicht wahrnehmbar, auch weil es einen geringen Organisationsgrad gibt. Aber der Beruf ist wichtig. Er braucht Unterstützung und eine größere Lobby“, sagte die Bundespolitikerin. Dazu gehöre auch eine angemessene Bezahlung. „Eine tarifliche Lösung wäre wünschenswert“, sagte sie. Kompetent, gut ausgebildet, aber schlecht bezahlt: das sei wenig attraktiv. „Wenn wir Berufe als wichtig für die Zukunft erachten, dann müssen wir auch investieren“, sagte Mittag.

Fachhochschule in Delmenhorst?

Mittag erneuerte ihren Vorschlag, eine Fachhochschule in Delmenhorst einzurichten, die einen Schwerpunkt in der Pflege haben könnte. Meyners und Watzke sehen das in Teilen kritisch. Zum einen, weil das IWK bereits einen Teil der Arbeit von Fachhochschulen abdecke, zum anderen, weil es bundesweit bereits eine strake Zunahme von Heilerziehungspflegeschulen in öffentlichen berufsbildenden Schulen gebe. „Wir bieten diese Ausbildung als gemeinnütziger Träger bereits seit Jahrzehnten an. Einrichtungen wie unsere waren es, die die Ausbildung nach vorn gebracht haben. Diese Einrichtungen jetzt zu verdrängen, wäre der falsche Weg“, sagte Watzke. Mittag entgegnete, dass man auch weiterhin auf die Arbeit privater Träger angewiesen sei.