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Delmenhorster Fachmann gibt Tipps So gelingt der perfekte Obstbaumschnitt

Von Christopher Bredow | 09.02.2019, 17:07 Uhr

Damit ein Obstbaum richtig wächst und saftige Früchte hervorbringt, müssen Gärtner viele Dinge beachten. Der Delmenhorster Fachberater Günter Prösch gibt Tipps für den richtigen Obstbaumschnitt.

In einen richtigen Garten gehört für viele Hobbygärtner ein saftiger Obstbaum mit Äpfeln, Kirschen, Birnen oder Pflaumen. Für eine ertragreiche Ernte im Sommer braucht jeder Obstbaum aber eine gewisse Pflege – da gehört der Obstbaumschnitt mit dazu. Jetzt ist die Jahreszeit für den Winterschnitt und bevor alle Gärtner nun planlos an ihren Obstbäumen herumschneiden, erklärt Fachberater Günter Prösch vom Bezirksverband der Gartenfreunde Delmenhorst und Umgebung, worauf es ankommt. Denn beim Obstbaumschnitt gibt es einiges zu beachten.

Lieber mehr als zu wenig abschneiden

"Im Winter schneiden wir die Kernobstbäume", sagt der 67-jährige Experte. Der Sinn dahinter: "Der Baum soll möglichst früh in den Ertrag gebracht werden." Denn grundsätzlich gilt: Je früher Obstbäume geschnitten werden, desto stärker treiben die Bäume im Frühjahr wieder aus. Allerdings sollte die Schere nicht bei Regen oder Frost an den Obstbaum angesetzt werden, damit die durch das Abschneiden der Äste entstandenen Wunden auch wieder richtig heilen können, erklärt Prösch. (Lesen Sie hier: Was fasziniert die Menschen am Kleingärtnern?)

Ansonsten gilt beim Obstbaum die Devise: Weniger ist mehr. "Als Laie hat man immer Angst, zu viele Äste abzuscheiden", sagt Prösch. Dabei sei eine möglichst luftige Krone aber genau das Ziel des Obstbaumschnitts: "Als Faustregel gilt: Durch einen geschnittenen Apfelbaum muss man ungehindert einen Hut werfen können." Zugewachsene Bäume könnten schlechter trocknen und durch die Feuchtigkeit würden schädigende Pilze entstehen: "Da habe ich im Sommer lieber ein paar weniger und dafür gut gereifte Früchte, als ganz viele schlechte", verdeutlicht Prösch.

Flechten geben Hinweis auf feuchtes Klima

Einen Hinweis auf ein zu feuchtes Klima geben Flechten, die Obstbäume oft überziehen. „Flechten sind zwar nicht schädlich für den Baum, aber man sollte dennoch darauf reagieren, damit er ausgelichtet wird und trocknen kann“, erklärt Prösch.

Abgeschnitten werden beim Obstbaumschnitt grundsätzlich alle toten, kranken und beschädigten Äste. Für die optimale Entwicklung eines Obstbaumes sollten zudem die Wachstumsgesetze wie die Spitzenförderung beachtet werden: "Höherstehende Äste werden besser mit Nährstoffen versorgt und treiben daher stärker aus." Selbiges gelte für die Trieblage: "Je steiler der Trieb steht, desto stärker treibt er aus. Je waagerechter er steht, desto mehr Blütenknospen und folglich mehr Früchte entwickelt er." (Lesen Sie hier: Delmenhorster Kleingartenanlagen stehen vor Wandel.)

Zudem müsse auf die Oberseitenförderung geachtet werden, denn bei nach unten gebogenen Ästen würde kaum Zuwachs stattfinden. Auch auf die Blattmasse ist zu achten: "Etwa 15 Blätter ernähren eine Frucht", sagt Prösch. Auch die Anschnittlänge und die Fruchtbelastung spiele eine Rolle: "Je mehr Früchte am Baum sind, desto kleiner werden sie." Pro Trieb sollte man daher nur ein oder zwei Früchte wachsen lassen, empfiehlt der Fachmann.

Richtiger Obstbaumschnitt: Schräger Schnitt oberhalb der Knospe

Beim Abschneiden eines Asts ist darauf zu achten, dass der Schnitt knapp oberhalb der Knospe und schräg angesetzt wird, sagt Prösch: "Sonst wird die Schnittstelle einfach überwaldet und es fruchtet nicht." Zudem müssten zu hoch oder zu tief wachsende Äste nicht immer geschnitten werden: "Oft reicht es dann auch, die Äste einfach auf- oder abzubinden." Dafür würden sich Seile oder kleine Gewichte eignen.

Beim Winterschnitt unterscheidet der Fachmann zudem noch zwischen Pflanzschnitt, Erziehungsschnitt und Instandhaltungsschnitt. Beim Pflanzschnitt wird schon bei der Pflanzung des Obstbaumes die spätere Kronenform festgelegt. Der Erziehungsschnitt dauert mehrere Jahre und wirkt aufgrund von konsequentem Schneiden und Binden auf die Kronenform ein. Etwas weniger Arbeit macht der Instandhaltungsschnitt, der für eine luftige Krone und die Erzeugung von Fruchtholz sorgt. (Lesen Sie hier: So soll die Jugend wieder Gemüseanbau lernen.)

Mehr Informationen:

Fachberater Günter Prösch empfiehlt zur Reihenfolge beim Obstbaumschnitt: "Beim Obstbaumschnitt werden zunächst alle toten, kranken und beschädigten Äste und Zweige entfernt. Dann werden alle senkrecht auf den Leitästen stehenden und nach innen wachsenden Zweige auf ein Auge zurückgeschnitten, damit diese zu Fruchtholz umgewandelt werden. Jetzt sind Äste und Zweige zu formieren (abspreizen oder aufbinden), damit beim nachfolgenden Anschneiden der Leitäste und Fruchtzweige die Saftwaage eingehalten werden kann. Konkurrenztriebe sind grundsätzlich zu entfernen. Damit beim Neuaustrieb kein Konkurrenztrieb entsteht, kann die zweite Knospe gleich nach dem Anschneiden entfernt werden."

Nach dem Winterschnitt ist die Arbeit aber noch nicht vorbei: "Im August sollte man nochmal nachschauen, ob etwas weggeschnitten werden muss. Wenn überflüssige Triebe entfernt werden, hat der Baum mehr Kraft für die anderen Äste und Früchte zur Verfügung", so der Fachmann.