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Werkhof Delmenhorst Mit täglicher Arbeit in die Berufswelt zurück finden

Von Sascha Sebastian Rühl | 05.04.2019, 16:35 Uhr

Im Werkhof am Brendelweg in Delmenhorst lernen Langzeitarbeitslose, wieder täglich zur Arbeit zu gehen und mit anderen Menschen zu handeln. Die Teilnehmer sind glücklich über diese Möglichkeit.

Auf solche Fälle hat sich das Arbeitsgelegenheits-Projekt des Jobcenters unter Trägerschaft der Ländlichen Erwachsenenbildung spezialisiert. Seit Mai 2018 werden Arbeitsmöglichkeiten in den Bereichen Gartenbau, Hauswirtschaft, Holzwerkstatt, Textilwerkstatt und seit März auch Metall angeboten. Am Tag der offenen Tür wurde gestern ein Fazit gezogen. "Der Einstieg in den Arbeitsmarkt steht hier nicht im Vordergrund", erklärt Marion Denkmann, Bereichsleiterin im Jobcenter. "Es wird an den Fähigkeiten aus dem Berufsleben angesetzt, die Teilnehmer lernen eine Tagesstruktur, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und finden nach vielen Jahren der Arbeitslosigkeit wieder eine Perspektive", ergänzt Projektleiter Wilhelm Albers. Begonnen wurde mit 25 Teilnehmern, nun sind es schon 27.

Der Werkhof soll sich so gut es geht selbst versorgen, erklärt der Projektleiter. Auf einer Außenfläche werden Kräuter, Obst und Gemüse für den Eigenbedarf angelegt. Der Bereich Hauswirtschaft kocht allen Teilnehmern, wenn möglich, aus selbst angebauten Zutaten ein Essen. Angebaut wird das Gemüse in Kästen, die aus der Holzwerkstatt stammen und gegrillt wird auf einem von den Metallarbeitern gebauten Grill. Um den Kreis zu schließen: Aus der Holzwerkstatt stammen auch Grillzangen. "

Hier werden nützliche Dinge hergestellt. Die Leute sollen ihre Arbeit nicht als Last sondern als Erfüllung sehen und positive Erfahrungen machen." Die Dinge, die hergestellt werden, sollen nützlich sein, werden gegen eine Spende abgegeben und für gemeinnützige Zwecke abgegeben. So entstehen auf dem Werkhof zum Beispiel Insektenhotels und Nistkästen für den Nabu. Die Textilwerkstatt strickt schöne Schals für Obdachlose. "Wir suchen da weitere Kooperationspartner."

Wer im Werkhof beschäftigt ist, ist stolz auf seine Leistung. So wie ein Herr, der seit zehn Monaten im Werkhof in der Holzabteilung arbeitet. Früher Kraftfahrer, dann kamen gesundheitliche Probleme, dann verbrachte er mehrere Jahre zuhause. "Zu Hause zu bleiben ist auch nicht gut für die Gesundheit. Ich komme gerne her, hier kann ich wieder Leute sehen", erklärt er. Die Arbeit mache ihm viel Spaß. Und wenn er zeigt, was er schon alles gebaut hat und woran er gerade arbeitet, wird schnell deutlich, dass er stolz auf seine Leistung ist.

Auch materiell werden die Teilnehmer belohnt. Zusätzlich zu den Leistungen des Jobcenters bekommen sie zwei Euro netto pro Stunde, wenn sie unter 50 Jahre alt sind, 2,50 Euro, für alle älteren. "Sie arbeiten maximal 30 Stunden die Woche, damit noch Zeit für Bewerbungen bleibt", erklärt Willi Albers, der schon zwei Teilnehmer auf 30-Stunden-Basis eingestellt hat, damit sie andere einweisen. "Vielleicht entdeckt hier jemand ja auch ein neues Hobby? Es gibt hier ganz wenig Fluktuation im Vergleich zu anderen Maßnahmen. Die meisten bleiben im Projekt. Das spricht sich auch unter unseren Kunden rum, dass es hier dieses Angebot gibt", sagt Marion Denkmann.

Eigene Fähigkeiten entdecken und ausbauen

Teilnehmerin Tamara Radtke ist ein Gartenmensch und kann dieses Interesse auch gegen Bezahlung ausleben. "Ich habe selbst einen großen Garten und habe früher auch auf Friedhöfen gearbeitet." Daher habe sie auch in diesem Bereich im Werkhof-Projekt angefangen. "Jetzt springe gerne mal hier und mal da hin. Ich fühle mich hier einfach wohl. Und ich bleibe erst mal hier", freut sie sich.

Mehr Informationen:

Kontakt zum Werkhof

Weitere Informationen gibt es beim Werkhof Delmenhorst, Brendelweg 131, und bei Wilhelm Albers unter (04221) 680 18 04 oder E-Mail Wilhelm.Albers@leb.de.