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Besuch in Delmenhorst Niedersächsischer EU-Abgeordneter Stefan Gehrold ohne Chance auf Wiederwahl

Von Christopher Bredow | 26.04.2019, 16:59 Uhr

Als Nachrücker ist der CDU-Politiker Dr. Stefan Gehrold im September als Abgeordneter ins Parlament der Europäischen Union eingezogen. Eine Chance auf eine Wiederwahl hat er nicht, wie er bei seinem Besuch des Delmenhorster CDU-Stadtbezirksverbandes Deichhorst-Stadtmitte sagte.

Zehn Monate durfte Dr. Stefan Gehrold als niedersächsischer Abgeordneter der CDU Europas Politik mitgestalten, nun ist schon wieder Schluss: "Ich hätte nicht gedacht, dass mir der Abschied so schwer fällt", sagte der 53-Jährige am Donnerstag bei seinem Besuch des Delmenhorster CDU-Stadtbezirksverbandes Deichhorst-Stadtmitte.

Stefan Gehrold als Nachrücker im EU-Parlament

Erst im September zog Gehrold, der zuvor unter anderem das Europabüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Brüssel leitete, für Burkhard Balz ins europäische Parlament ein. "Die Mitwirkung am Gesetzgebungsprozess war neu und spannend für mich", sagte Gehrold, der unter anderem im Ausschuss für Wirtschaft und Währung saß: "Gerade die Rettung der Norddeutschen Landesbank war ein akutes Thema, das ja auch Niedersachsen betraf."

Gehrold warnt vor Zerfall der Europäischen Union

Ansonsten ist Gehrold bewusst, dass die Arbeit im EU-Parlament Bürgerinnen und Bürger in Städten wie Delmenhorst oft nur indirekt betrifft: "Das ist aber auch nicht die Aufgabe der EU, sondern die der Kommunen. Dennoch hat Europa seine Bewandtnis", sagte Gehrold und warnte vor einem Zerfall der EU: "Die EU ist noch nicht so gefestigt, das sieht man am Brexit. Wenn es sie aber nicht mehr geben würde, würde Europa politisch und wirtschaftlich in der Welt ins Hintertreffen geraten." Der CDU-Politiker wünscht sich daher eine hohe Beteiligung an der Europawahl: "Das würde die demokratische Legitimation des EU-Parlaments stärken."

Aussichtsloser CDU-Landeslistenplatz für Stefan Gehrold

Er selbst wird dann zwar für die niedersächsische CDU auf der Landesliste stehen, allerdings auf einem aussichtslosen fünften Platz. Der CDU-Stadtbezirksvorsitzende Heinrich-Karl Albers ist sauer darüber: "Ich kann nicht verstehen, dass die CDU den Landesverband Oldenburg so hinten rüber fallen lässt. Eigentlich wäre ein Platz unter den ersten drei notwendig gewesen."

Gehrold sieht das etwas gelassener: "Es ist zwar schade, weil mir die Arbeit viel Spaß gemacht hat und ich gerne weitergemacht hätte. Aber es ist nichts kaputt gegangen." Wahlkampf betreibt der 53-Jährige trotzdem noch: "Es ist für mich selbstverständlich, zu Terminen wie hier in Delmenhorst zu kommen. Das ist man den Menschen, die hier aus Überzeugung Politik machen, einfach schuldig." Gehrold wird in seinen alten Job zurückkehren, will eine Rückkehr als Politiker aber nicht ausschließen: "Man sollte niemals nie sagen."