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Delmenhorster Graft ist Schauplatz Schiller-Spaziergänge verraten mehr über gammelige Äpfel

Von Birgit Stamerjohanns | 14.05.2019, 10:26 Uhr

Friedrich von Schillers 260. Geburtstag soll in Delmenhorst gebührend gefeiert werden: mit zwei literarischen Spaziergängen durch die Graft, die am 7. Und am 28. Juni stattfinden.

Wer an Schiller denkt, dem fällt möglicherweise gleich der Apfel ein – jenes Obststück, das Wilhelm Tell seinem Sohn vom Kopf schießen musste. Aber nicht nur deswegen hat der Delmenhorster Schauspieler Johannes Mitternacht symbolisch einen Apfel mit in die Buchhandlung Jünemann gebracht, es gibt da nämlich noch eine Geschichte: „Goethe ist einmal bei Schiller zu Besuch gewesen und hat einen seltsamen Geruch bemerkt“, so Johannes Mitternacht, „dem ist er auf den Grund gegangen und hat die Schubladen des Schreibtischs geöffnet.“ Zum Vorschein kamen verfaulte Äpfel. Diese hatte Schiller allerdings keineswegs dort vergessen, sondern sie bewusst verfaulen lassen, weil ihn der Geruch angeblich besonders inspirierte.

"Ode an die Freude" schafft Bezug zur Europawahl

Vor 260 Jahren ist der deutsche Dichter und Dramatiker in Marbach am Neckar geboren, und das möchte Buchhändlerin Sabine Jünemann auch an der Delme feiern. Bereits vor zehn Jahren hatte es einen literarischen Schiller-Spaziergang in Delmenhorst gegeben, der damals gut besucht war. „Da habe ich mir gedacht, das machen wir jetzt einfach noch einmal“, so Sabine Jünemann. Zumal Friedrich Schiller sehr gut zur Europawahl passt, immerhin hat er die „Ode an die Freude“ gedichtet, das heutige Europalied. „Ich werde bei dem Rundgang auch einiges aus diesem Gedicht zitieren“, verspricht Schauspieler Mitternacht.

Gedichte und Wissenswertes über den Menschen Schiller

Damit möglichst viele Interessierte an dem Rundgang teilnehmen können, gibt es gleich zwei Termine: Am Freitag, 7. Juni, und am Freitag, 28. Juni. Der Schiller-Spaziergang beginnt jeweils um 20 Uhr in der Buchhandlung Jünemann in der Langen Straße. Der Eintritt kostet 10 Euro. Nach dem rund zweistündigen, literarischen Rundgang durch die Graft soll es in der Buchhandlung noch „etwas Leckeres“ geben, wie Sabine Jünemann verspricht. Sie selbst mag Schiller vor allem wegen seiner Balladen. Johannes Mitternacht hatte für den Dichter und Denker lange Zeit nicht viel übrig, weil er ihn „etwas überladen“ fand. Mittlerweile ist er aber auch Schiller-Fan. „Ich werde auch nicht nur seine Texte vortragen, sondern auch ein bisschen über den Menschen Schiller erzählen“, so der Schauspieler. Für die damalige Zeit seien viele Texte geradezu unerhört gewesen, und auch Schillers Leben hatte einiges zu bieten: „Er war kein Kind von Traurigkeit und es heißt, er habe zwei Damen parallel gehabt“, so Sabine Jünemann. Friedrich Schiller konnte von seiner Kunst mehr oder weniger gut leben, gilt aber gewissermaßen als der Prototyp des Künstlers: „Er war finanziell recht unbekümmert“, formuliert es Johannes Mitternacht. Will sagen, er lieh sich gern Geld, war aber beim Zurückzahlen wenig zuverlässig.

Wer bei den Schiller-Spaziergängen am 7. oder am 28. Juni dabei sein möchte, sollte sich unbedingt anmelden: entweder direkt in der Buchhandlung Jünemann an der Langen Straße 37 oder unter Telefon (04221) 8507177.