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Kreisblatt-Zwangspause endete 1949 15 Pfennig für die erste dk-Ausgabe nach dem Krieg

Von Dirk Hamm | 05.10.2019, 09:41 Uhr

Nach Kriegsende war das Erscheinen des Delmenhorster Kreisblatts vier Jahre eingestellt. Dass erst am 1. Oktober 1949 wieder ein dk auf dem Frühstückstisch lag, hatte nicht nur technische Gründe.

Zwölf Jahre lang war das gesamte deutsche Pressewesen unter den Nationalsozialisten gleichgeschaltet. Der Delmenhorster Traditionsverlag Rieck, seit 1832 Herausgeber des Delmenhorster Kreisblatts, gehörte zu den Privatunternehmen, die selbst 1944 noch 352 Zeitungen verlegten, deren Gesamtauflage aber von der Parteipresse bei Weitem in den Schatten gestellt wurde. Von Pressefreiheit und -vielfalt konnte nach 1933 eh nicht mehr die Rede sein. „Ihr Inhalt unterschied die Blätter nicht mehr – oder doch nur in unwesentlichen Nuancen“, heißt es in der Chronik von Jürgen Peter Ravens zu 150 Jahren Delmenhorster Kreisblatt (1982).

Neuanfang mit Hindernissen

Der erhoffte Neuanfang nach dem Zusammenbruch der NS-Herrschaft 1945 gestaltete sich für den Rieck-Verlag und das Verlegerehepaar Theodor und Anneliese Schulte Strathaus äußerst schwierig. Mehr als vier Jahre lang konnte keine eigene Tageszeitung gedruckt werden. Die Zwangspause endete vor 70 Jahren: Nach Probenummern ab dem 21. September konnten die Leser am 1. Oktober 1949 wieder ein frisch gedrucktes Delmenhorster Kreisblatt in den Händen halten. Der Einzelpreis lag bei 15 Pfennig. „Berlin soll zwölftes Bundesland werden“, so lautete die Schlagzeile auf der Titelseite der ersten regulären Nachkriegsausgabe.

Im November 1945 war das Verlagsgebäude an der Langen Straße von der Besatzungsmacht beschlagnahmt worden. Eine kanadische Einheit zog ein und druckte die Soldatenzeitung „Maple Leaf“. Auch nachdem diese im Mai 1946 eingestellt worden war, blieb das Delmenhorster Kreisblatt in der Versenkung. Stattdessen begann die britische Armee mit der Demontage der Drucktechnik im Verlagshaus.

Dennoch war es weniger diese technische Hürde, die ein Wiedererscheinen verhinderte. Schließlich konnte der Verlag, als es im Oktober 1949 dann doch wieder möglich war, die Kapazitäten eines Druckhauses in Syke nutzen. Und bereits im Januar 1949 war die Druckerei so weit wiederhergestellt, dass mit dem Druck des wöchentlich erscheinenden Delmenhorster Anzeigenblatts begonnen werden konnte.

Militärregierung verweigerte Lizenz

Eigentliches Hindernis für den Neustart des dk war die bis zum 21. September 1949 in der britischen Besatzungszone geltende Lizenzpflicht, die kompromittierte Verleger aus dem Zeitungsgeschäft heraushalten sollte. Theodor Schulte Strathaus war wegen seiner Parteiämter in der NS-Zeit bis 1948 in Fallingbostel interniert.

Derweil bemühte sich seine Frau um die Erteilung einer Lizenz. Die Hoffnung, nach dem Abzug der Kanadier zum Zuge zu kommen, erfüllte sich jedoch nicht. Anneliese Schulte Strathaus hatte zusammen mit ihrer rechten Hand, dem langjährigen dk-Fotografen Hermann Weizsäcker, im Frühjahr 1946 ein Konzept für eine Lizenzzeitung entwickelt, die für alle gesellschaftlichen Kräfte offen sein sollte. Diese Pläne scheiterten im Jahr darauf. Erst der Wegfall des Lizenzzwangs einhergehend mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland ermöglichte den Start in eine neue Ära des Delmenhorster Kreisblatts.