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Aktion "One Billion Rising" Delmenhorster protestieren tanzend gegen Gewalt an Frauen

Von Christopher Bredow | 14.02.2019, 19:46 Uhr

Rund 150 Teilnehmer haben sich am Donnerstag tanzend gegen Gewalt an Frauen ausgesprochen. Delmenhorst beteiligte sich damit zum vierten Mal an der weltweiten Protestaktion "One Billion Rising".

Silke Overdiek war begeistert von dem, was sie gestern Nachmittag auf dem Marktplatz in Delmenhorst miterlebte: "Das ist eine super Aktion, man kann einfach mitmachen und hat richtig viel Spaß dabei", sagte sie, nachdem sie gemeinsam mit etwa 150 weiteren Besuchern gegen Gewalt an Frauen getanzt hatte. "Es ist wichtig, sich gegen jede häusliche Gewalt an Frauen zu positionieren", erklärte die 42 Jahre alte Delmenhorsterin. Eine Aktion wie "One Billion Rising" (Eine Milliarde erhebt sich) sei daher gut geeignet, um die eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen.

Gemeinsamer Tanz als Protest gegen Gewalt

Seit 2013 ist der Valentinstag nicht mehr nur ein Tag der Liebe, sondern auch ein Tag des Protests. In über 200 Ländern und mehr als 100 deutschen Städten kommen seitdem Frauen und Männer zusammen, um sich gegen das weltweit präsente Thema der Gewalt an Frauen auszusprechen. Im Mittelpunkt der Protestaktion stand der gemeinsame Tanz zu dem Lied "Break the Chain" (Spreng die Ketten) von der Sängerin Tena Clark. (Im Video: So wurde im vergangenen Jahr gegen Gewalt an Frauen getanzt.)

Die Stadt Delmenhorst beteiligte sich in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge an der Protestaktion. "Es gibt zwar schon viele Aktionen gegen Gewalt, aber diese ist besonders", erklärte Petra Borrmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und eine der Organisatorinnen der Aktion: "Hier gehen normale Menschen auf die Straße und tanzen, das ist klasse." Aktionen wie "One Billion Rising" sollten laut Borrmann zeigen, dass Gewalt an Frauen überall nach wie vor ein Problem ist, das thematisiert werden muss.

Die "Milliarde" im Namen der Protestaktion bezieht sich dabei auf eine Statistik der Vereinten Nationen, der zufolge jede dritte Frau auf der Welt alltäglich Gewalt erfährt – insgesamt also etwa eine Milliarde. Auch in der Stadt Delmenhorst ist das Thema unverändert präsent, sagte Borrmann: "Im Jahr 2018 gab es 317 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt." Diese Zahl sei allerdings nur die Spitze des Eisbergs: "Die Dunkelziffer von nicht angezeigten Vorfällen wird noch viel höher liegen", erklärte die Gleichstellungsbeauftragte. Immerhin gebe es in Delmenhorst ein gutes Netzwerk, an das sich Hilfe suchende Frauen wenden könnten.

Gewalt an Frauen nicht gesunken

Neben Borrmann sprach auch Saskia Kamp, Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Delmenhorst/Oldenburg-Land, zu den Anwesenden, nachdem zuvor die Sambagruppe "Delme Sambitas" rhythmisch auf die Aktion eingestimmt hatten. Bedenklich ist ihr zufolge, dass die Gewalt an Frauen in den vergangenen Jahren "nicht signifikant gesunken" sei.

Dies liege auch daran, dass viele junge Menschen in ihren Familien Gewalt miterleben und später selbst auch gewalttätig werden würden. Gerade in der Altersklasse von 14 bis 21 Jahren sei Gewalt ein drängendes Thema. "Diese Aktion soll allen Menschen Mut machen, sich gegen Gewalt auszusprechen und zu sagen: 'Mit mir nicht mehr'", richtete Kamp zum Ende ihrer Rede eindringliche Worte an die Besucher.

Oberbürgermeister Axel Jahnz bedankte sich derweil bei den zahlreichen Teilnehmern für ihr Kommen: "Es ist schön zu sehen, dass es diese Solidarität in Delmenhorst gibt", sagte er und forderte: "Egal in welcher Lebensphase, jeder muss sich wehren und auf das Thema aufmerksam machen."