Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Angeklagte Vergewaltigung nicht erwiesen Delmenhorster muss dennoch ins Gefängnis

Von Ole Rosenbohm | 18.02.2019, 19:15 Uhr

Zu viele Zweifel und deshalb eine Entscheidung für den Angeklagten: Ein vor dem Landgericht angeklagter 23 Jahre alte Delmenhorster ist am Montag vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden.

Die Kammer unter dem Vorsitz von Richter Horst Kießler folgte in ihrem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Für den Diebstahl zweier Mobiltelefone und einer Geldbörse muss der Delmenhorster allerdings sechs Monate ins Gefängnis.

Laut Anklage soll der 23-Jährige vor fast genau einem Jahr seine Ex-Freundin und deren Mitbewohner während eines gemeinsamen Abends mit K.-o.-Tropfen oder einem anderen Mittel in den Tiefschlaf versetzt, die Frau dann vergewaltigt und schließlich auch noch Handys der Bewohner und ein Portemonnaie mit knapp 400 Euro Inhalt mitgenommen haben. Den Diebstahl gab er zu, die Vergiftung sowie die Sexualstraftat bestritt der Angeklagte.

Letztere Vorwürfe ließen sich auch nicht halten. Zwar hatte es unzweifelhaft Geschlechtsverkehr zwischen Opfer und Angeklagtem gegeben. Doch vor allem das Verhalten der Frau nach der Nacht passte kaum zur angeblichen Tat. Etwa schien sie besonders über den Verlust ihres Telefons mit persönlichen Bildern entsetzt.

Cannabis konsumiert

Bei der Polizei hatte sie zunächst auch nur vom Diebstahl gesprochen. Darüber hinaus hatte sie sich wenige Tage nach der Tat noch mit dem Angeklagten nachts in einem Park getroffen. Und später standen beide sogar kurz davor, ihre Liebesbeziehung neu aufleben zu lassen. Ein Schlafmittel hatte sich auch nicht nachweisen lassen. Zudem kam heraus, dass Mitbewohner und Angeklagter am Abend zusammen Cannabis konsumiert hatten, was seine Müdigkeit erklären könnte.

In der Summe also Freisprüche für die Sexualstraftat, die Körperverletzung und eine versuchte Nötigung durch den Angeklagten, der nach dem Abend noch versucht hatte, die Frau mit Drohungen zu zwingen, die Anzeige zurückzunehmen. „Wir können uns nicht sicher sein, wie es gewesen ist“, sagte Kießler.

Freiheitsstrafe ohne Bewährung

Keine zwei Meinungen gab es über den Diebstahl. Auch der Angeklagte sprach von einer „miesen Aktion“, für die er nun zu der Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde. Sein Verteidiger hatte zwar auf Geldstrafe plädiert, letztlich aber gab das Vorstrafenregister des Mannes mit neun Eintragungen in zehn Jahren den Ausschlag. Der Angeklagte sei „durchgängig chronologisch kriminell“ gewesen, sagte Kießler. Er habe eine berufstätige Mutter bestohlen und stehe selbst ohne Job da. Eine günstige Sozialprognose sei nicht zu erkennen, so der Richter.