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Kriminalitätsstatistik 2018 vorgestellt Zahl der Straftaten sinkt in Delmenhorst weiter

Von Kai Hasse | 13.03.2019, 18:52 Uhr

Der schlechte Ruf der Stadt fußt auch auf Kriminalität. Die Straftaten-Zahlen geben das schon lange nicht mehr her.

"Der Volksmund", sagt Jörn Stilke, "besagt, dass Menschen ausländischer Abstammung immer ein Messer in der Tasche haben und damit auch zustechen." Stilke ist Chef der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, und er stellt sich klar gegen dieses Vorurteil: "Es ist einfach nicht so." Erstmals nimmt die Polizei seit Kurzem auch die Taten mit Stichwaffe in die Polizeistatistik auf. Ergebnis: In Delmenhorst gab es in den vergangenen Jahren 2017 und 2018 jeweils einen Fall, bei dem jemand tatsächlich jemand anders erstechen wollte. Andere Vorkommnisse, bei denen Messer eine Rolle spielten, aber nicht tatsächlich in klarer Tötungsabsicht genutzt wurde, summiert die Polizei für Delmenhorst auf 25. 29 waren es im Jahr 2017. Daneben will Oliver Lenz, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes, eine weitere Sache klarstellen: "Delmenhorst hat, was die Kriminalität betrifft, einen schlechten Ruf. Die Zahlen geben das aber nicht wieder."Stadt schneidet gut ab im Vergleich zu anderen Städten

Die Zahlen: 6038 Straftaten wurden im Jahr 2018 begangen. Das sind 7789 pro 100.000 Einwohner. Dieser "Pro 100.000"-Wert ist eine übliche statistische Vergleichsgröße. Sie liegt beispielsweise in Emden bei 8145, in Wilhelmshaven bei 12.001 – also schneidet Delmenhorst gut ab im Vergleich zu vergleichbaren Städten. Die 6038 tatsächlichen Delikte stehen 6141 Delikten im Vorjahr entgegen. Die Rate ist also gesunken. In den vergangenen zehn Jahren, die die Polizei als Vergleich aufführt, war die Zahl der Delikte noch nie so gering. Die Aufklärungsquote der Taten steigt derweil. 2017 waren es 62,9 Prozent, 2018 waren es 63,6 Prozent.

1,4 Taten pro Tatverdächtigem

Für die aufgeklärten Fälle – 3841 waren es 2018 – waren 2758 Tatverdächtige verantwortlich. Ein Tatverdächtiger hat im Schnitt 1,4 Taten begangen. Von den 2758 Tatverdächtigen waren 283 Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren, 279 Jugendliche, 75 Kinder, und 933 von ihnen waren "Nichtdeutsche". Das liege auch daran, sagt Stilke, dass Nichtdeutsche – also auch Asylbewerber – oft in großen Unterbringungen leben. "Dort gibt es entsprechend großes Konfliktpotenzial innerhalb der Gruppe, mit körperlichen Auseinandersetzungen und Diebstählen. Das passiert innerhalb dieser Gruppe, und ist demnach nichts, wo ich sage: Es brennt auf den Straßen." Er pocht darauf, dass in der Gruppe der Ausländer die Integration die beste Prävention gegen Straftaten ist. Deshalb habe er sich auch im November 2018 massiv dafür eingesetzt, dass professionelle und seriöse Hilfsprogramme für Menschen mit Migrationshintergrund in Delmenhorst erhalten werden, auch wenn die Landesförderung dafür ausläuft. Der Stadtrat und die Stadt Delmenhorst hatten Stilkes Kritik aufgenommen und die Beratungsangebote erhalten."Wir dürfen diese Leute nicht sich selbst überlassen. Zahlen aus dem Landkreis Wesermarsch etwa, wo Migranten in deutlich kleineren Gemeinden und Wohnbereichen leben, hätte deutlich weniger Ausländerkriminalität. "Dort haben die Menschen viel bessere Möglichkeiten, in Vereine oder in die Feuerwehr zu finden."

Sexuelle Übergriffe fast nur in der Beziehung

Die Zahl der Rohheitsdelikte ist leicht gestiegen: 898 waren es 2018, gegenüber 783 im Jahr 2017. Die Aufklärungsquote lag 2018 bei 91,4 Prozent, 2017 waren es 88,8 Prozent. Laut Oliver Lenz waren dies überwiegend Körperverletzungen. Gestiegen ist auch die Zahl der Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung – also Belästigung oder Vergewaltigung. 74 Fälle waren es 2018, einer mehr als 2017. Die Aufklärungsquote liegt bei 91,9 Prozent, 2017 betrug sie 82,2 Prozent. Diese Taten seien fast ausschließlich Beziehungstaten, also Taten innerhalb einer bestehenden Beziehung. "Das Bild des Täters, der eine Frau in der Graft ins Dunkle zieht, oder Taten mit mehreren Beteiligten entsprechen nicht der Realität", so Lenz.

Verstärkte Kontrollen beim Bahnhof

Abfallend ist die Zahl der Eigentumsdelikte: 2145 waren es im Jahr 2018, 2303 waren es 2017. Die Quote liegt gleichbleibend bei grob 35 Prozent. Ein leichtes Plus gibt es wieder bei den Wohnungseinbruchsdiebstählen: 200 waren es in 2018, 188 in 2017, bei gesunkener Aufklärungsquote. Hier würden sich einige Fälle aber bald aufklären, stellt Lenz fest. Hoch geht die Fallzahl auch bei der Rauschgiftkriminalität: 439 Fälle waren es in 2018, nur 287 in 2017 – jeweils mit fast 100-prozentiger Aufklärungsquote. Die hohe Fallzahl gehe darauf zurück, dass es seit 2018 verstärkte Kontrollen am Bahnhof gibt, samt Kameraüberwachung. So kommen mehr Fälle als vorher ans Tageslicht.

19 Angriffe auf Polizisten in 2018

Neu aufschlüsseln kann die Polizei nach einem neueren Gesetz die Gewalt gegen Polizeibeamte. Vorher gab es nur die Tatbestände Widerstand gegen Beamte (11 Fälle in 2017), Körperverletzung (9) und Bedrohung/Nötigung (5). Seit 2018 schlüsselt die Statistik das neu auf, mit dem Zusatz "Tätlicher Angriff auf Polizeibeamte". Dieser Posten macht nun den Löwenanteil der Taten gegen die Polizisten aus: 19 waren es 2018, dazu fünf Widerstände, zwei Körperverletzungen und eine Bedrohung.