Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Papazeit Vom Umgang mit Medien: Viereckige Augen

Eine Kolumne von Thomas Breuer | 04.04.2019, 12:00 Uhr

Wie viel Umgang mit Computer & Co darf bei kleinen Kindern sein? Damit beschäftigt sich unsere Kolumne "Papazeit", in der dk-Redakteur Thomas Breuer (51) beschreibt, wie er die Zeit mit seinem inzwischen fünfjährigen Sohn Leon Bosse erlebt.

Leon kommt freudig auf mich zu gerannt. „Ich durfte mit dem Tablet spielen, ganz lange sogar!“, ruft er grinsend. Da muss ich natürlich empört tun, was seine Freude noch vergrößert. Bei Oma und Opa, da darf er eben alles, auch Computerspiele.

Gern mal auf der Bremse

Nun ist es nicht so, dass unser Fünfjähriger die Nintendo-Switch-Konsole bei uns zu Hause nie in den Händen hätte. Und auch sein erster himmelblauer Fotoapparat erlaubt ihm kleine Spiele, bei denen ein Hase sicher bis zur ersehnten Möhre hüpfen muss, ohne im Wasser unterzugehen. Aber zwischendurch drücke ich schon gern auf die Bremse.

Jede Zeit hat ihre Medien

In meiner Kindheit gab es die Diskussion über den Fernsehkonsum, um zu verhindern, dass wir Kinder „viereckige Augen“ bekamen. Und zum Beginn der 19. Jahrhunderts, da sorgte sich mancher schlaue Kopf über die sogenannte Lesehysterie junger Frauen.

Merke: Jede Zeit hat ihre Medien und die daraus resultierenden Ängste.

Von Nah- und Fernsicht

Bei Computern sind es aber nicht zuletzt Augenärzte, zu einem ausgeglichenen Verhältnis von Nah -und Fernsicht gerade bei sehr jungen Menschen raten. Wer immerzu auf das Smartphone oder einen anderen Bildschirm starrt, dem drohe die Kurzsichtigkeit mehr als anderen.

Für mich klingt das nachvollziehbar. Aber vor allem möchte ich, dass aus unserem Kind mehr als ein Konsument auf dem Sofa wird.

Auf einem guten Weg

Und da scheint Leon doch auf einem guten Weg zu sein. Ist die Begeisterung über bewegte Bilder bei ihm zeitweise auch groß, so liebt er Herumtoben ebenso wie kreative Spiele mit Bausteinen oder Karten.

Ich selbst tauche selten in virtuelle Spielwelten ein, weil ich weiß, dass dann auch Stunden ins Land gehen können. Das war schon früher bei den „Space Invaders“ – wer erinnert sich? – so. Und selbst bei der Jagd nach der Möhre auf Leons Fotoapparat entwickle ich einen gewissen Ehrgeiz.

Da wären noch die Pfannkuchen

Unser Kind findet das richtige Maß zwar nicht immer, lässt sich aber auch überzeugen. Sonst geht es nächstes Mal eben nicht zur Oma mit dem Tablet. Wobei er bei den anderen Großeltern die süßen Pfannkuchen liebt, von denen es ja auch nicht zu viele sein sollten. Aber das ist ein anderes Thema.