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Lastwagenfahrer verurteilt Chaosfahrt auf der A1 hat gerichtliches Nachspiel

Von Ole Rosenbohm | 06.05.2019, 18:55 Uhr

Auch Autobahnpolizisten erleben nicht oft, was sich am 10. März vergangenen Jahres auf der A1 ereignete und womit sich jetzt das Amtsgericht Wildeshausen beschäftigte.

Mitten auf dem Beschleunigungsstreifen der Anschlussstelle Wildeshausen-Nord stand ein Lkw mit Reifenschaden, aus dem drei Männer Fleischwaren in einen offenbar eilig herbeigerufenen Sprinter verfrachteten. Als die Polizei zur (natürlich verbotenen) Umladeaktion dazu stieß, fuhr auch noch ein weiterer Freund des Trios mit einem Ersatzreifen vor. Der Mann sei offensichtlich mit dem Reifenwechsel heillos überfordert gewesen, schilderte jetzt dem Gericht ein als Zeuge geladener Polizist.

Abschleppunternehmen und Veterinär eilen zur Autobahn

Die Beamten riefen ob des Unvermögens des Reifenwechslers ein Abschleppunternehmen hinzu sowie – wegen des Fleisches und lebensmittelhygienischer Bedenken – auch noch einen Veterinär (der zur Überraschung der Beamten, sagte der Polizist, keine Beanstandungen meldete).

Falsche Fahrerkarte genutzt

Das Gericht hatte sich mit dem Fall befasst, weil der Fahrer eine nicht ihm gehörende Fahrerkarte benutzt hatte, ein mit Speicherchip und Bild versehener Ausweis über Qualifikation sowie Fahr- und Arbeitsdaten, zu denen Lenk- und Ruhezeiten gehören. Die Polizisten fanden sogar noch eine zweite Fahrerkarte im Führerhaus, die ebenfalls zu keinem der Anwesenden passte.

Strafen für Fahrer und Fleisch-Händler

Ursprünglich angeklagt wegen „Fälschung beweiserheblicher Daten“ waren drei Personen: der Fahrer des Lasters (der im Vorfeld einen Strafbefehl über 30 Tagessätze à zehn Euro akzeptierte), der Fleisch-Händler aus Hamburg (der dem Prozess fernblieb und gegen den deshalb ein Strafbefehl über 30 Tagessätze à 50 Euro wirksam wurde) und dessen Bruder, Eigentümer der Fahrerkarte, 42 Jahre, ebenfalls aus Hamburg.

Bruder kommt glimpflich davon

Dieser Karten-Inhaber konnte die Richterin und auch die Staatsanwältin erfolgreich überzeugen, mit der Täuschung nichts zu tun zu haben. Er sagte aus, sein Bruder habe die Karte genommen ohne zu fragen, er sei mit ihm deswegen auch zerstritten. Er selber verlängere zwar regelmäßig seine Berufskraftfahrer-Qualifikation, hätte aber diese Karte noch nie benutzt und damit auch nicht vermisst, was das polizeiliche Auslesen des Dokuments bestätigte. „Passen Sie in Zukunft besser drauf auf“, riet die Richterin dem freigesprochenen Angeklagten. Der Transporter, hieß es noch, erreichte das Ziel Hamburg erst viel später – unter anderem, weil er auf dem Weg noch zufällig in eine weitere Kontrolle geriet.