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Schulpartnerschaft in Europa Musik verbindet Delmenhorster und Lubliner bis ins Herz

Von Reiner Haase | 10.05.2019, 22:48 Uhr

Jeweils 19 Musikschüler aus Lublin und Delmenhorst haben eine Woche lang die Städte- und Schulpartnerschaft mit Leben gefüllt. Abschließende Höhepunkte waren am Freitag zwei gemeinsame Konzerte in der Markthalle, eines für die Jüngeren im Musikzweig des Max-Planck-Gymnasiums und eins für die Öffentlichkeit.

Sinfonisch bearbeitete Melodien aus dem Computerspiel "The Legend of Zelda" haben am Freitag dem Besuch von 19 Jugendlichen des Karol-Lipinski-Gymnasiums in Lublin bei Gleichaltrigen aus dem 10. Jahrgang des Delmenhorster Max-Planck-Gymnasiums das Sahnehäubchen aufgesetzt. Nach dem Verklingen des letzten Tons gab es lang anhaltenden Beifall. "Das ist einfach Europa gelebt. Und das wird jedes Jahr von Jüngeren neu gelebt", freute sich Markus Pragel. Delmenhorsts Erster Stadtrat hatte wie Harald Söhlke, SPD-Urgestein und Motor der 27-jährigen Städtepartnerschaft von Anfang an, schon am Mittag das deutsch-polnische Gemeinschaftskonzert miterlebt. Mit ihnen applaudierten knapp 200 Kinder und Jugendliche der jüngeren Jahrgänge des Maxe-Musikschulzweigs dem Orchester, den Solisten und dem Dirigenten und Maxe-Musiklehrer Jürgen Schmelz.

Straffes Wochenprogramm

"Das war ein straffes Programm", resümiert die 16-jährige Cellistin Stella das jeweils einwöchige Miteinander im Oktober 2018 in Lublin und jetzt in Delmenhorst. Neben dem Auswählen und Einstudieren von fünf Musikstücken fürs Orchester und von vier weiteren für kleinere Ensembles aus den Bereichen Jazz, Rock und Pop haben hier wie dort Städtetouren den normalen Stundenplan ersetzt. "Wir Jugendlichen sind zusammengewachsen", berichtet die 15-jährige Gitarristin Ayleen. Fürs Kennenlernen des Alltags der Gastfamilien habe es aber hier wie dort wenig Gelegenheiten gegeben, abgesehen vom täglichen Frühstücken und Abendessen.

Abschied mit Tränen

"Musik verbindet" ist in diesem Schüleraustausch mehr als eine leere Worthülse. "Schade, dass wir heute letztmals zusammen musizieren", sagt die 15-jährige Cellistin Paula. "Einige Jugendliche sehen sich in den Sommerferien wieder", weiß Magdalena Paczenska aus Erfahrung. Die Deutsch-Lehrerin am Lubliner Gymnasium begleitet die polnischen Jugendlichen seit etlichen Jahren nach Delmenhorst. Es werde am Sonnabend beim Abschied Tränen geben, prophezeite sie am Freitag, "und manchmal richtigen Liebeskummer."

Kontaktfreudige Europaschule

Das jährliche Miteinander der Lubliner und Delmenhorster Jugendlichen seit über 20 Jahren ist für das Max-Planck-Gymnasium ein Baustein für die Anerkennung als Europaschule. Alle fünf Jahre wird die Zertifizierung überprüft. "Vor einigen Tagen haben wir erfahren, dass wir rezertifiziert sind", berichtet Sarah Mänz, Europaschulkoordinatorin des Gymnasiums, "mit 124 von 140 möglichen Punkten." Das Thema Europa sei im Lehrplan verankert, alle Lehrer stünden in der Pflicht, Europa-Themen in den Unterricht einzubauen, "bei Musik zum Beispiel europäische Volkslieder und Nationalhymnen", gibt Musiklehrer Schmelz als Beispiel. Das Maxe pflegt laut Mänz über Schüleraustausch und Erasmus-Plus-Begegnungen Kontakte in sieben europäische Länder. "Zwei kommen in Kürze hinzu, wahrscheinlich Rumänien und Litauen", kündigt die Koordinatorin an.

Brexit setzt Fragezeichen

Ein Fragezeichen steht allerdings zum bisher intensiv gepflegten England-Austausch. "Niemand weiß, was kommt, wenn es tatsächlich zum Brexit kommt", so Mänz. Beim Musik-Projekt mit Lublin spielt das Deutsch-Polnische Jugendwerk finanziell die erste Geige. Bei anderen Projekten, vor allem im Erasmus-Plus-Programm, ist das die Europäische Union.