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Stück von Dürrenmatt Delmenhorster Verein widmet sich weltweitem Theatererfolg

Von Jasmin Johannsen | 10.05.2019, 16:29 Uhr

Einen wahren Theater-Welterfolg führt das Ensemble von Proszenium im kommenden Monat auf: An sechs Terminen ist im Familienzentrum Villa Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ zu sehen.

Schuld, Moral, Gier und Populismus – um nichts Geringeres geht es in der 18. Produktion des Theatervereins Proszenium. Das Delmenhorster Ensemble inszeniert in seiner diesjährigen Saison „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Nach der Premiere am Freitag, 21. Juni, ist der Theater-Klassiker noch an fünf weiteren Terminen im Familienzentrum Villa zu sehen.

Geschichte einer Rache

Was erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer in Dürrenmatts Tragikomödie? Die Kleinstadt Güllen, einst als eine der ersten Kulturstädte Europas betitelt, ist längst dem wirtschaftlichen Niedergang geweiht. Die Bürgerinnen und Bürger des Städtchens sehen nur einen Ausweg: Beim Besuch der Milliardärin Claire Zachanassian wollen sie diese um finanzielle Unterstützung bitten. Die – inzwischen – „alte Dame“ hat selbst ihre Kindheit und Jugend in Güllen verbracht und macht den Einwohnern ein ebenso verlockendes wie unmoralisches Angebot. Sie will an das Städtchen eine Milliarde überschreiben, dafür müsste allerdings jemand Alfred Ill töten. Denn dieser hatte Claire einst als junges Mädchen geschwängert, die Vaterschaft aber geleugnet und dank bestochener Zeugen den Prozess gegen die „alte Dame“ gewonnen. Claire musste darauf ihre Heimat verlassen, verlor ihr Kind und wurde in die Prostitution getrieben. Erst später ist sie durch die Ehe mit einem Ölmagnaten zu einer der reichsten Frauen der Welt geworden. Nun fordert Claire Gerechtigkeit.

Geld könnte sein Schicksal besiegeln

Zunächst lehnen die Güllener im Namen der Stadt und nicht zuletzt der Menschlichkeit und Moral entsetzt ab. Doch das Angebot ist nun ausgesprochen – und als die finanzielle Lage der Bürgerinnen und Bürger immer prekärer wird, ist die Konsequenz plötzlich doch für so manchen Güllener hinnehmbar. Schleichend ereilt Ill die Gewissheit, dass die Gier nach Geld sein Schicksal besiegeln wird. Oder gibt es doch noch einen anderen Weg?

Bezüge zur Gegenwart

Obwohl die Erstaufführung mehr als 60 Jahre her ist, sieht Regisseurin Kathrin Steinweg einen deutlichen Bezug zur Gegenwart. „Leider ist es heute immer noch so, dass Menschen den Wohlstand über die Moral stellen“, findet sie. Und weil das so ein weit verbreitetes gesellschaftliches Phänomen sei, will Steinweg ihre Darstellerinnen und Darsteller auch direkt in den Publikumsreihen positionieren. „Dadurch haben die Zuschauer das Gefühl, dass sie zu den Einwohnern von Güllen gehören und niemand hat die Chance sich aus dem Gesehen herauszuziehen“, so die Idee hinter dem Konzept.

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Das Stück

Die Premiere des Stücks ist am Freitag 21. Juni. Weitere Termine sind am Samstag, 22.Juni, Sonntag, 23. Juni, Freitag, 28. Juni, Samstag, 29. Juni, und Sonntag 30. Juni immer im Familienzentrum Villa an der Oldenburger Straße 49 um 19.30 Uhr.Karten gibt es bei Foto Waßer an der Bremer Straße 78-84 im Inkoop-Center, unter Telefon (01573) 5564127 und unter www.proszenium-delmenhorst.de.