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Politiker besuchen IWK Delmenhorst Defizite in Pflege und Therapieausbildung sollen weichen

Von Kai Hasse | 20.08.2019, 23:09 Uhr

Das Schulgeld in Gesundheitsfachberufen wird viel kritisiert. Es soll nun übernommen werden. Die Umsetzung kommt voran. Aber manche Dinge haken, wie nun die IWK-Chefin in Delmenhorst Politikern berichtete.

Ausbildung in den Gesundheitsfachberufen ist ungerecht. Das soll sich ändern. Bei einem Besuch der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und Dr. Roy Kühne (beide CDU) hat die Chefin des Instituts für Weiterbildung in der Kranken- und Altenpflege (IWK) Delmenhorst, Silke Watzke, auf Missstände hingewiesen. Einen Schritt vorwärts sei man bereits mit der Schulgeldfreiheit in den Bereichen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie und Podologie. Aber es sei noch einiges zu tun.

Riesenschritt für die Ausbildung

Denn ab diesem Herbst werden Auszubildende, die in diesen Berufen eine Ausbildung beginnen, kein Schulgeld mehr zahlen müssen. Bisher mussten sie das – mit der Ausnahme, dass die Ausbildung der Lehrlinge, die in Krankenhäusern tätig sind, durch das Krankenhausvergütungsgesetz übernommen werden konnte. Wer in privaten Einrichtungen lernt, musste selbst seine Ausbildung zahlen. Bei der IWK sind das 325 Euro pro Monat. „Das ist bereits ein Riesenschritt, der sehr positiv gewertet werden sollte“, sagt Watzke. Sie bemerkt auch wegen dieser neuen Schulgeldfreiheit deutlich mehr Anmeldungen für die Ausbildung. 12 Schülerinnen und Schüler waren es im vergangenen Jahr – nun sind es 25 Anmeldungen. Das Schulgeld zahlt das Land.

Schulgeldfreiheit soll für alle kommen

Aber eine Sache krankt, und da haben Kühne und Grotelüschen Besserung versprochen. Wer in den Berufen bereits begonnen hat, kommt nicht mehr in den Genuss dieser Schulgeldfreiheit – muss also weiter zahlen, auch wenn er abbricht und nochmals von Vorn anfängt. Die Politiker wollen erwirken, dass die Schulgeldfreiheit sich auch auf alle Lehrlinge erstreckt. Fatalerweise würde die bereits faktisch existierende Schulgeldfreiheit in Krankenhäusern dazu führen, dass Therapeuten vom ländlichen Raum in die Krankenhäuser gezogen werden, „obwohl 80 Prozent der Leute im ländlichen Bereich gebraucht werden“, so Kühne.

Bereits jetzt mehr Nachfrage

Dass es bereits jetzt mehr Nachfrage nach den Therapieberufen gibt, stellt Watzke noch vor die nächste Herausforderung: „Wenn die Zahlen hoch gehen, brauchen wir auch Lehrer, die das umsetzen können“, so Watzke. Es gebe ein Ungleichgewicht zwischen dem Bedarf an Lehrern in den Allgemeinbildenden Fächern und den Möglichkeiten, sie zu bekommen, stellt sie fest. Und das, zumal auch Allgemeinbildende Schulen ebenso Bedarf haben an Lehrern – und als nicht private, sondern öffentliche Arbeitgeber besser zahlen können. Astrid Grotelüschen und Kühne versprachen, sich weiter um die komplette Schulgeldfreiheit zu kümmern. Ihr Besuch zielte auch darauf ab, sich zu der Änderung und den Problemen, die in der Pflegeausbildung bestehen, zu informieren.

Eine weitere Änderung kommt ebenfalls auf die Ausbildung in der Alten-, Kranken- und Kinderpflege zu: Hier sollen die Azubis sich ab 2020 spezialisieren können auf eines der drei Gebiete. Zwei Jahre werde die Ausbildung allgemein gehalten, das dritte Jahr wird spezialisiert auf einen der Bereiche.