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Urteil in Oldenburg Erpresser aus Delmenhorst und Hude kommen mit Geldstrafen davon

Von Sascha Sebastian Rühl | 27.08.2019, 22:10 Uhr

Weil ein Opfer diejenigen, die ihn wohl erpressen wollten und schlugen, nicht belasten wollte, sind die Täter nun mit geringen Strafen davon gekommen. Die Männer kamen aus Delmenhorst und Hude.

Von der Anklage blieb nur wenig: Mit drei Geldstrafen, einer Arbeitsauflage und einem Freispruch ist am Donnerstag ein Prozess vor dem Landgericht Oldenburg gegen vier Männer aus Delmenhorst und einen aus Hude zu Ende gegangen. Die Männer im Alter von 20 bis 28 Jahren waren unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Waffen angeklagt – Mindeststrafe fünf Jahre Haft. Der einzig relevante Zeuge, der Geschädigte selber, blieb aber stumm.

Auch nach den Einlassungen der Angeklagten war klar, dass die fünf Männer den 20 Jahre alten Geschädigten durchaus schwer unter Druck gesetzt hatten. Unter einem Vorwand hatte ihn einer in ein Auto gelockt, zwei stiegen dazu, zwei fuhren hinterher.

Ohrfeigen und Gaspistolen

Im Wagen hat der Geschädigte mindestens Ohrfeigen erhalten, auch waren zwei Gaspistolen im Spiel. Eine kam von einem der Angeklagten, eine hatte der Geschädigte selber in seiner Jackentasche, die er seinen Entführern als erstes übergeben musste.

Grund der Aktion war wohl, dass der Geschädigte einem der Angeklagten 500 Euro schuldete, die offenbar nun wieder aus ihm herausgepresst werden sollten. Daher fuhren sie zunächst zu einem Bekannten des Geschädigten (der nicht zu Hause war), dann zu seinem Elternhaus. Aus diesem sollte er endgültig das Geld besorgen. Ohne die Angeklagten im Haus, wählte der Geschädigte den Notruf. Eine Viertelstunde später waren die wartenden Männer verhaftet.

Nebenkläger bleibt stumm

Der 20-Jährige trat vor Gericht nicht nur als Opfer und Zeuge, sondern auch als Nebenkläger auf. Sagen wollte er trotzdem nichts. Er durfte auch die Aussage verweigern, da er sich mit ihr wohl selbst belastet hätte. Hintergrund: Der Mann ist schwer drogenabhängig, sitzt zurzeit in einer geschlossenen Entzugsklinik, nachdem er wegen 83 Straftaten (unter anderem Diebstähle, Betäubungsmittelvergehen, Körperverletzungen und Falschaussage vor Gericht) zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden war. Es liegt nahe, dass die Aktion gegen den Geschädigten mit einem Drogenvergehen zu tun hatte – bewiesen ließ es sich aber nicht.

„Wer Zweifel hat, darf nicht verurteilen“, begründete der Richter die Urteile gegen die im wesentlichen nicht vorbestraften Angeklagten, die so oder so ähnlich auch Verteidiger und Staatsanwalt beantragt hatten: Der Gläubiger des Geschädigten wurde wegen Körperverletzung (die Ohrfeigen), Verstoßes gegen das Waffengesetz und Nötigung zu 90 Tagessätzen mit je 15 Euro verurteilt. Der Fahrer des Wagens erhielt nach Jugendstrafrecht eine Auflage von 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Dem zweiten Zugestiegenen konnte nur Nötigung nachgewiesen werden: 50 Tagessätze zu 30 Euro.

Ein Angeklagter freigesprochen

Der Beifahrer aus dem zweiten Wagen war der Besitzer der Waffe, die er dem Gläubiger übergeben hatte. Damit machte er sich wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz und einer Beihilfe zur Nötigung schuldig: 40 Tagessätze zu 30 Euro. Der Fahrer des zweiten Wagens wurde freigesprochen. Ihm war nicht nachzuweisen, dass er vom Bedrohungsszenario durch die anderen gewusst hatte, auch nicht, dass er mitbekam, dass sein Mitfahrer die Waffe nach vorne übergeben hatte.