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Zwei Delmenhorster vor Gericht Anklage scheitert an zwei vergesslichen Zeugen

Von Ole Rosenbohm | 29.08.2019, 12:35 Uhr

Kaum etwas übrig geblieben ist von mehreren Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, die am Mittwoch vor dem Amtsgericht Delmenhorst verhandelt worden sind. Angeklagt waren zwei Männer aus Delmenhorst, 37 und 48 Jahre alt – einer wegen einer räuberischen Erpressung, einer wegen 14-maligen Kokainhandels.

Verurteilt wurde nur der 48-Jährige wegen lediglich eines einmaligen Koks-Verkaufes. Strafe für dieses Vergehen: 50 Tagessätze zu je 30 Euro.

Erster Zeuge für Anklage nicht hilfreich

Die Verkäufe sollen sich schon von Mitte 2014 und bis Mitte 2015 abgespielt haben. Der mutmaßliche Haupt-Kunde des Angeklagten wollte sich jetzt im Gerichtssaal an die damaligen Handel aber nicht mehr gut erinnern, als gerichtlich verwertbar sahen weder Gericht noch Staatsanwaltschaft die allermeisten seiner Aussagen an.

So wurde der 48-Jährige nur für einen von angeklagten 13 Käufen, an den er laut Ermittlern beteiligt gewesen sein soll, verurteilt. Für die übrigen zwölf wurde er freigesprochen.

Auch der Auftritt einer weiteren Zeugin, einer mutmaßlichen Kundin im 14. angeklagten Fall, brachte den Angeklagten nicht in Bedrängnis. Diese Frau berief sich auf ihr Aussageverweigerungsrecht. Der Fall wurde eingestellt.

Angeblich mit Drohung Geld gefordert

Die räuberische Erpressung richtete sich damals laut Staatsanwaltschaft gegen den Kunden, der bereits zum Kokainhandel ausgesagt hatte. Laut Anklage soll dieser Mann damals Geldschulden bei den beiden (oder nur bei einem) womöglich wegen diverser Drogenkäufe gehabt haben. Um diese (nicht rechtmäßigen) Schulden begleichen zu lassen, soll der 37-Jährige dem Mann mehrmals gedroht haben, ihn „fertig“ zu machen oder ihn sogar umzubringen. Im November 2014 erfolgte – wohl unter dem Eindruck dieser Drohungen – die Geldübergabe. Damit wäre die räuberische Erpressung vollendet.

Angeklagtem droht weitere Runde vor Gericht

Das Gericht stellte das Verfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft aber vorläufig ein. Denn der Angeklagte befindet sich zurzeit wegen anderer Taten – vermutlich geht es hier hauptsächlich um schweren Drogenhandel – in Untersuchungshaft.

Nach einem Prozess gegen den Mann wegen dieser aktuellen Vorwürfe könnte es theoretisch erneut zu einer Anklage wegen räuberischer Erpressung kommen. Doch zunächst bleibt von 15 Vorwürfen gegen die beiden Angeklagten nur einer über, abgeurteilt mit einer Geldstrafe.