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"Chaos auf Schloss Haverham" Slapstick-Komödie punktet in Delmenhorst mit feinstem britischen Humor

Von Jasmin Johannsen | 24.09.2019, 16:38 Uhr

Pannen am laufenden Band haben sich am Montagabend im Kleinen Haus ereignet. Allerdings waren die Missgeschicke vollends gewollt, denn die Komödie „Chaos auf Schloss Haversham“ war auf der Bühne zu sehen.

„Winston? Winston!“, hallte es am Montagabend durch das Kleine Haus. Erst war der Hund weg, obwohl dieser doch eine entscheidende Rolle im zweiten Akt spielt, und dann war auch noch die Rolling-Stones-CD verschollen. Also gingen die Inspizientin Annie (Ines Arndt) und der Bühnentechniker Trevor (Ivan Robert) kurzerhand zwischen den Sitzreihen auf die Suche nach dem verlorenen Vierbeiner und dem Rock-Album, während die knapp 200 Zuschauerinnen und Zuschauer schon ihre Plätze einnahmen. Weil damit die Pannen noch nicht beendet waren, wollte kurz darauf auch der Kaminsims nicht halten und einer der Theaterbesucher wurde ohne Umschweife zum tatkräftigen Anpacken verdonnert. Noch vor dem offiziellen Beginn des Stückes, strotzte die britische Erfolgskomödie „Chaos auf Schloss Haversham“ ganz zur Freude des Publikums bereits vor Slapstick-Einlagen und lieferte damit schon einmal einen Vorgeschmack auf die kommenden zwei Stunden.

Theatertruppe spielt mit Inbrunst gegen Pannen an

Zugegeben, mit einer besonders raffinierten Handlung konnte das Stück nicht wirklich auftrumpfen. Dafür begeisterten die irrwitzigen Pannen um eine vollkommen unfähige Theatertruppe, die gegen alle Missgeschicke mit voller Inbrunst anspielt, umso mehr. Denn eigentlich wollten die „Laienschauspieler“ ein Krimi á la Agatha Christies „Die Mausefalle“ inszenieren: Im tiefsten Winter tobt ein Schneesturm um das Anwesen von Charles Haversham (Steffen Wilhelm). Im Haus haben sich Freunde und Bedienstete des Adeligen versammelt, um dessen Verlobung mit Florence Colleymoore (Arzu Ermen) zu feiern. Doch dann wird Charles auf einmal tot aufgefunden und die irrwitzige Suche nach dem Mörder beginnt. War es der Butler Perkins (Wolff von Lindenau), der schon seit 80 Jahren – oder waren es doch erst acht? – im Dienst von Lord Haversham steht? Der zukünftige Schwager Thomas Colleymoore (Dirk Waanders)? Der Gärtner Arthur oder gar der eigene Bruder Cecil Haversham (Doppelrolle: Stefan Schneider)? Inspektor Carter (Martin Armknecht) versucht jedenfalls in alle erdenklichen Richtungen zu ermitteln.

Bühnenbild verfällt nach und nach

Dass dieser Stoff schon tausende Male erzählt wurde, verzeiht man dem jungen Autoren-Trio Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields gerne, denn natürlich machen die lustigen Versprecher, verpassten Einsätze und nicht zuletzt der Kampf der Darsteller mit dem nach und nach verfallenden Bühnenbild den Reiz des Stückes aus. Wer auf einen spannenden Krimi gehofft hatte, war hier falsch am Platz. Das Delmenhorster Publikum amüsierte sich allerdings bestens während der Aufführung. Besonders in der ersten Hälfte des Stückes jagte ein Gag den nächsten. Stefan Schneider mit seinen überdrehten und beifallheischenden Auftritten, Arzu Ermen als hysterisches Flapper-Klischee oder Martin Armknecht in der Rolle des verzweifelten Chefs der Truppe – die Spielfreude des Ensembles machte den Theaterabend zu einem echten Erlebnis, das durchaus mehr Zuschauer verdient gehabt hätte.