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Panikaktion hilft 30-Jährigem nicht Delmenhorster wirft Drogen und Waage aus dem 14. Stock

Von Eyke Swarovsky | 13.12.2019, 16:55 Uhr

Als die Polizei zur Durchsuchung vor seiner Tür stand, wusste der 30-jährige Delmenhorster offenbar genau, was er zu tun hatte: Er schnappte sich seine beiden Beutel mit insgesamt 150 Gramm Marihuana, seine digitale Feinwaage, rannte auf den Balkon auf der 14. Etage und warf alles hinunter. Bloß: Es nutzte nichts.

Er wurde dabei beobachtet, angeklagt und nun vom Amtsgericht Delmenhorst wegen Drogenhandels und -besitzes in nicht geringer Menge zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt.

Mann gibt alles zu

Der Mann gab alles zu, auch den Handel. Allerdings war die Beweislage auch erdrückend. Neben der Waage und dem Gras mit einem (ziemlich hohen) Wirkstoffgehalt von über 18 Prozent THC fanden die Beamten noch jede Menge typisches Verpackungsmaterial und zudem 2625 Euro in bar in seiner Hosentasche. Viel zu viel für einen Hartz-IV-Empfänger. Auch hatte der Mann äußerst selten Geld von seinem Konto abgehoben, auf das Monat für Monat knapp 400 Euro von der Kommune einging. Seinen Lebensunterhalt hatte er also offensichtlich aus anderen – mutmaßlich illegalen – Quellen bestritten.

Seit Jahren gut im Geschäft gewesen

Einschlägig vorbestraft ist der Mann erst in einem Fall, allerdings ist noch ein weiteres Gerichtsverfahren wegen Drogenhandels gegen ihn in Vorbereitung. Dieses stützt sich auf Aussagen anderer Verurteilter, aus denen laut Staatsanwalt hervorgehe, dass der 30-Jährige seit Jahren „gut im Geschäft“ war. Der Richter verortete den Angeklagten als Dealer im „mittleren Segment“, also kein Kleindealer, der Gras im unteren Gramm-Bereich verkaufe. Doch diese Vorwürfe spielten jetzt im Prozess keine Rolle.

Angeklagter will Therapie machen

Der Angeklagte gab an, selber jede Menge Marihuana konsumiert zu haben, zuletzt aber deutlich weniger. Am liebsten wolle er eine stationäre Therapie machen, mit der er einen Weg in ein normales – oder wie der Richter sagte: „rechtschaffendes“ – Leben finden könne.

Die Therapie-Empfehlung wird der Richter ins Urteil schreiben, was vermutlich helfen wird bei der Platz-Suche. Im Urteil finden sich auch die Bewährungsauflagen für den 30-Jährigen: 100 Stunden gemeinnützige Arbeit und eine Geldauflage von 2625 Euro – also genau jenes Geld, das die Polizei bei ihm in der Hosentasche gefunden hatte und nun an die Drogenberatungsstelle Drob überweisen wird.