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Selbstgebrauter Aufguss-Mix Schwere Verbrennungen nach Leichtsinn in Delmenhorster Sauna

Von Jan Eric Fiedler und Thomas Breuer | 16.01.2019, 10:01 Uhr

Wie gefährlich ein unsachgemäßer Saunaaufguss sein kann, hat sich am Dienstagabend gezeigt. Zwei junge Männer mussten nach einer Stichflamme im Krankenhaus versorgt werden.

Zwei Jahrzehnte schon trägt Tobias Schmedt nach eigenen Angaben Verantwortung in Fitnessstudios, seit Oktober vergangenen Jahres bei „Bodybalance“ im Jute-Center an der Weberstraße. Doch so etwas wie am Dienstagabend hat er zuvor noch nicht erlebt. In der Sauna des Studios hat ein junger Mann schwere und ein weiterer leichtere Verbrennungen erlitten. Schuld war ein selbst gebrauter Aufguss-Mix.

Wie die Polizei berichtete, befanden sich die beiden Delmenhorster, 18 und 21 Jahre alt, gegen 19.45 Uhr in der Sauna. Ein weiterer Gast, ein 48 Jahre alter Mann aus Ganderkesee, nahm mit ihnen an diesem Saunagang teil und wollte für einen Aufguss sorgen.

Öle in Flüssigkeit gehen in Flammen auf

Dafür nutzte er einen bei sich zu Hause hergestellten Mix, den er über den 90 Grad heißen, elektrisch betriebenen Saunaofen goss. Vermutlich aufgrund eines zu hohen Anteils an ätherischen Ölen bildete sich eine Stichflamme, die die Verletzungen verursachte.

Die beiden jungen Männer mussten mit Rettungswagen in ein Krankenhaus gefahren und dort versorgt werden. Der 48-Jährige und weitere Studiogäste konnten die Sauna ohne Verletzungen verlassen. An der Sauna selbst entstand kein Schaden, sie war gestern laut Schmedt wieder ohne Einschränkungen in Betrieb.

Eigene Aufgüsse nicht zugelassen

Nach den Worten des Studioleiters ist es nicht gestattet, Zutaten für eigenen Aufgüsse mitzubringen. Ob dies auch explizit so in der Saunaordnung festgehalten ist, vermochte er auf Anhieb nicht zu sagen. Sehr wohl aber stünden den Gästen wechselnde Aufgüsse zur Verfügung, die vom Personal vorbereitet würden. „Wir wissen genau, wie wir das verdünnen müssen“, sagt Schmedt.

Damit deckt sich die Herangehensweise der Betreiber des Fitnessstudios in etwa mit dem Vorgehen der Grafttherme. Dort werden Saunaaufgüsse laut Sprecherin Britta Fengler sogar ausschließlich durch das Saunapersonal vorgenommen. „Dies ist auch in der Bade- und Saunaordnung geregelt“, sagt sie. Vorfälle, bei denen Gäste sich in diesem Punkt nicht daran gehalten hätten, seien nicht bekannt.

Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung

Dass ein fahrlässig vorgenommener Aufguss großen Schaden anrichten kann, hatte sich 2012 schon in Göttingen gezeigt. Dort wurde das Gebäude eines Fitnessstudios bei einem Brand in Mitleidenschaft gezogen, nachdem in der Folge eines Aufgusses eine Stichflamme entstanden war.

Für den 48-Jährigen, der das Unglück vom Dienstagabend zu verantworten hat, könnte der Vorfall noch strafrechtliche Folgen haben. Gegen ihn wurde laut Polizei ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Studioleiter Schmedt will den Vorfall nicht über Gebühr dramatisieren. „Das Ganze ist dem Mann schon so peinlich genug“, sagt er. Dennoch ziehe er in Erwägung, die regelmäßigen Rundgänge des Personals zu intensivieren, um so vielleicht frühzeitiger auf ein Fehlverhalten aufmerksam zu werden.

Markt für Duftstoffe wächst

Generell ist der Markt für Aufgussmittel und Duftstoffe laut Deutschem Sauna-Bund „immer größer und unübersichtlicher“. Er verweist unter www.saunabund-ev.de auf die wichtigsten Voraussetzungen qualitativ hochwertiger Produkte, wie sie etwa in Heimsaunen genutzt werden können. Dazu zählen unter anderem natürliche Inhaltsstoffe und exakte Dosierhilfen.