Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Studentin stellt Konzept vor Eine Hochschule für die Delmenhorster City?

Von Von Niklas Golitschek | 21.02.2019, 12:19 Uhr

Wie kann die Delmenhorster Innenstadt belebt werden? Zu dieser Frage hat Studentin Jennifer Burdorf ein Jahr lang geforscht. Ihr Ergebnis: Ein Hochschulstandort würde viel helfen.

Ist der schlechte Ruf erst einmal in der Welt, ist er nur schwer wieder zu korrigieren. Davon kann auch Delmenhorst ein Lied singen. Hohe Arbeitslosigkeit, eine sozial schwache wie überalterte Bevölkerung und eine vermeintlich hohe Kriminalitätsrate prägen das Bild der einstigen Arbeiterstadt.

Masterarbeit bei der dwfg geschrieben

Doch Delmenhorst hat auch Probleme, wie sie die meisten Städte dieser Tage haben: Die Innenstadt wird leerer, es fehlt an Innovationen – und an Lösungskonzepten. Nur: Wie könnte sich die Zukunft positiv gestalten lassen? Damit hat sich Jennifer Burdorf mehr als ein Jahr lang für die Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft (dwfg) befasst. Die Studentin für Stadtentwicklung macht derzeit ein Praktikum beim City-Management der dwfg für ihre Masterarbeit zum Thema „Leerstand statt Lebendigkeit?“. Ihre Ergebnisse stellte sie am Mittwochabend im Hotel Gut Hasport vor rund 80 Gästen vor.

Einzige kreisfreie Stadt ohne Hochschule

Klar war ihr, dass die Innenstadt wiederbelebt werden soll. Nach ihren Untersuchungen kam sie zu dem Entschluss, dass eine Hochschule die Lösung sein könnte. „Delmenhorst ist die einzige kreisfreie Stadt Niedersachsens ohne Hochschule“, fand sie schnell ein Argument für ihre Idee. Unter anderem mit dem alten Josef-Stift-Areal böten sich dafür beste Voraussetzungen, um nun den Grundstein für eine bessere Zukunft zu legen. Die Räumlichkeiten des Bettentraktes böten sich beispielsweise als Studentenwohnheime an. Aufgrund der zentralen Lage böte sich so die Möglichkeit eines Citycampus, also einer direkten Anbindung an die Innenstadt. Das hätten Städte wie Bochum oder Bremen verschlafen. „Eine Uni am Stadtrand ist problematisch“, führte Burdorf aus. Denn so entwickle sich die Innenstadt nicht zur Begegnungsstätte.

Studenten als Innovationstreiber

Mit der Universitätsgesellschaft, dem Hanse-Wissenschaftskolleg, sozialen Trägern, Unternehmen, Verwaltung und Stiftungen gebe es zahlreiche Akteure, die eine solche Hochschule mittragen könnten. „Das Zauberwort ist: Synergien. Vieles ist schon da“, betonte sie. Als Bereiche schlug die Studentin Technik, Soziales, Medizin und Pflege, Felder mit Mangelberufen in Deutschland, vor. Zumal das Land Niedersachsen duale Konzepte fördern wolle. Die Potenziale lägen dabei auch abseits der Studiengänge auf der Hand: Mit der jungen Generation in der Innenstadt werde diese wieder interessanter für Gastronomie- und Einzelhandelsunternehmen. Auch das kulturelle Angebot lasse sich dadurch steigern. Das sei nebenbei auch für ältere Menschen attraktiv, wenn diese sich in das Stadtleben mischen könnten. „Studenten leben an der Armutsgrenze, verhalten sich aber wie Akademiker“, erläuterte Burdorf das Konsumverhalten ihrer Klientel. Zudem sei es für Aushilfsjobs, Praktika oder als Innovationstreiber wichtig für eine florierende Stadt. Bremerhaven sei dafür ein gutes Beispiel.

Anteil von 6,5 Prozent erforderlich

Um sich als Studentenstadt profilieren zu können, bräuchte Delmenhorst rund 6500 Studenten, rechnete Burdorf vor. Dann hätte die Stadt einen Schnitt von 6,5 Prozent der Bevölkerung – wie Bremen; und das sei konservativ gerechnet. Dass es bis dahin ein langer Weg sei, sei ihr bewusst. Doch mit den aktuellen Leerständen biete sich die Gelegenheit, die Zukunft in Angriff zu nehmen. Immerhin habe Delmenhorst bereits seine schönen Seiten: „Es gibt urbane Projekte, den Altbaucharme. Das Wasser ist so nah an der Innenstadt, aber das wird gar nicht wahrgenommen.“