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Schullandschaft in Delmenhorst Ringen um politische Mehrheiten vor der Ratssitzung

Von Marco Julius | 15.02.2019, 07:42 Uhr

Wie sollen die Weichen für die Schulentwicklung in der Stadt Delmenhorst gestellt werden? Diese Frage mit noch ungewissem Ausgang steht im Zentrum der kommenden Ratssitzung.

Knapp zugegangen ist es dem Vernehmen nach im Verwaltungsausschuss. Der gemeinsame Antrag von CDU. FDP und UAD hat eine Mehrheit bekommen, aber die fiel mit einer Stimme denkbar knapp aus. In der öffentlichen Ratssitzung am Mittwoch, 20. Februar, 17 Uhr, ist in der Markthalle Spannung garantiert, wenn es Richtung Abstimmung geht.

CDU setzt auf "Schulvielfalt"

Die CDU-Fraktion jedenfalls freute sich nach dem Votum im Bildungsausschuss über den Etappensieg. Frauke Wöhler, schulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, richtet einen Appell an alle Ratsmitglieder, dem Antrag zuzustimmen. „Mit der von uns vorgeschlagenen Variante 1a soll die Schulvielfalt erhalten bleiben, das entspricht auch dem Elternwillen“, ist Wöhler überzeugt. Die Verwaltung könne mit der Variante konkret etwas erarbeiten. „Wir liegen damit auch im Zeitplan im Bezug auf G8/G9. Durch die Umstellung wird 2020/2021 keine Abiturklasse die Schule verlassen, aber neue Fünftklässler das Schuljahr beginnen“, sagt Wöhler. Ein Umstand, den auch Markus Pragal als Erster Stadtrat hervorhebt. Beim Thema G8/G9 gebe es gewissen Handlungsdruck.

Die Gruppe SPD & Partner aber, mit 15 Mitgliedern stärkste Gruppe im Rat, wird kaum auf den CDU-Vorschlag einschwenken. In der Gruppe ist man noch immer erstaunt über den Ausgang der Sondersitzung des Bildungsausschusses. „Mit der vorläufigen Entscheidung zugunsten der Real- und Hauptschulen können wir umgehen, doch erschreckt es uns, wie wenig wichtig die gesamte Schulentwicklung doch der CDU/FDP/AfD/UAD zu sein scheint“, sagt Ratsfrau Bettina Oestermann. „Beinahe grob fahrlässig“ nennt die Sozialdemokratin das Votum pro Variante 1a. „Zu sagen, es gäbe nichts mehr zu diskutieren, ist wohl das schlechteste Argument, denn es wurden nur punktuelle Entscheidungen dazu getroffen, ob Realschule und Hauptschule erhalten bleiben, ob es eine weitere Oberschule geben wird, und wie wir mit der Situation G8 / G9 umgehen sollen“, sagt Oestermann und attestiert der Gruppe SPD & Partner mehr Sachkenntnis. „Wohl niemand hat sich in den letzten Monaten inhaltlich so intensiv mit der Schulentwicklung auseinandergesetzt wie die Gruppe SPD & Partner.“ Noch gebe es zu viele offene Fragen, um sich festzulegen. „Lieber Weitblick als Kurzsichtigkeit bei einem gesellschaftlich wichtigen Thema wie Bildung, dass nachhaltig das Bild unserer Stadt prägen wird“, so will es die SPD angehen.

Verwaltungsvorschlag verhallt

Die Verwaltung war in der Sondersitzung des Bildungsausschusses bei ihrem Vorschlag, der Variante 3, geblieben. Diesen Vorschlag, der die Zusammenführung der Realschule und der Hauptschule zu einer Oberschule und die Nutzung der frei werdenden Räumlichkeiten an der Lilienstraße durch das Gymnasium an der Willmsstraße vorsieht, hat der Ausschuss aber nicht auf den Weg gebracht.

Auch vor und in der Ratssitzung dürften Eltern und Schüler wieder Position beziehen, vor allem die, die für den Erhalt von Haupt- und Realschule sind. Die Abstimmung werden auch sie mit Spannung erwarten.