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Kommentar Aus für klassischen Imbiss: Einfach eine andere Zeit

Meinung – Thomas Breuer | 20.08.2019, 08:50 Uhr

Was nützt alles Wehklagen, dass vermeintlich Liebgewonnenes verschwindet? Wir haben es nicht anders verdient.

Der Kartoffelsalat musste von Herta Logemann sein, Tanzen lernte man bei Beuss, und die Beratung in der Buchhandlung Ruppert war immer eine Spur persönlicher. Soweit die alten Geschichten, die für viele Delmenhorster mit schönen Erinnerungen verbunden sind.

Beziehungen sind weniger innig

Die Menschen waren wesentlich festgelegter auf „ihren“ Kaufmann und ihre Dienstleister. Wer wechselte vor einigen Jahrzehnten schon seine Bank, sofern es nicht ein tiefes Zerwürfnis gab?

Das Aus für den klassischen Imbiss am stadtbekannten Standort ist schade, aber kein Weltuntergang. Das wäre er nur, wenn viele das Lokal in seiner jetzigen Form vermissen würden. Und das kann nicht sein, weil zuletzt viel zu wenige zur Kundschaft zählten.

Wir haben es nicht anders verdient

Fast alles ist heute beliebig und austauschbar geworden – und beim Discounter gibt’s ja auch Kartoffelsalat. Fazit: Wir haben es gar nicht anders verdient.

Der Preiskampf über das Internet, die Erreichbarkeit von fast allem durch zwei Autos auf dem Hof und der ständige Griff zum Smartphone – das sind die Erscheinungen, die künftige Generationen mit der gegenwärtigen Zeit verbinden werden.

Ein anderer Lebensstil

Kulturpessimismus? Nein, nur ein anderer Lebensstil, bei dem der Wille zur Umkehr so oft zu kurz kommt. Und der Kartoffelsalat die Menschen auch satt macht, wenn er nicht hausgemacht ist.