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Hoher Schaden Amtsgericht Delmenhorst verhandelt über Kredite ohne Bonität

Von Ole Rosenbohm | 22.02.2019, 20:15 Uhr

Hoher Schaden, kurzer Prozess: Das Amtsgericht Delmenhorst hat drei Männer aus Bremen, Stuhr und Wilhelmshaven in einem Verfahren wegen Untreue zu Lasten einer Bank verurteilt.

Diese Bank soll vor acht Jahren durch nicht zurückgezahlte und in einer Delmenhorster Filiale betrügerisch ausgegebene Kredite ein Schaden von circa 600.000 Euro erlitten haben.

Dem Urteil vorausgegangen war eine prozessverkürzende Absprache über den Strafrahmen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Weil alle drei Angeklagten geständig waren, wurde dem „Deal“ entsprechend geurteilt, erklärte ein Gerichtssprecher: eineinhalb Jahre auf Bewährung für einen 51-Jährigen sowie je 120 Tagessätze Geldstrafe für einen 53-Jährigen und einen 62-Jährigen. Der Tagessatz wurde in beiden Fällen auf 30 Euro festgelegt.

Filialleiter hat gestanden

Der Prozess jetzt steht im Zusammenhang mit einer viel interessanteren Verhandlung am 3. Januar. In diesem Prozess verurteilte das Amtsgericht den heute 38 Jahre alten ehemaligen Leiter der Delmenhorster Filiale zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Dieser Filialleiter aus Ganderkesee gestand in diesem Prozess, in den Jahren 2010 und 2011 in sieben Fällen Kredite in Höhe von bis zu knapp 50.000 Euro vergeben zu haben. Seine Befugnis in der Kreditvergabe endete auch bei 50.000 Euro. Verwickelt in den Betrug waren die drei Angeklagten aus dem jetzigen Prozess.

Weg des Geldes verschleiert

Eine Masche des Betrugs war offenbar, beim Filialleiter einen Individualkredit auf den Namen einer Person zu beantragen, die davon überhaupt nichts wusste. Das Geld wurde auf ein auf diesen Namen eröffnetes Konto überwiesen dann ausgezahlt. Die Beweisführung erwies sich als schwierig. Der Gerichtssprecher sagte, es sei in großem Umfang gelungen, den Weg des Geldes zu verschleiern, es sei nicht klar, wo das meiste gelandet ist.

Vom Schaden wurden daher die jetzigen Angeklagten über das Mittel der „Einziehung von Taterträgen“ durch die Staatsanwaltschaft nur für einen kleinen Teil zur Verantwortung gezogen. Der 51-Jährige wurde zusätzlich zu einer Einziehung von 49.000 Euro verurteilt, der 53-Jährige zu 5500 Euro, der 62-Jährige zu 15.000 Euro. Insgesamt also knapp 70.000 Euro – ein Bruchteil des Schadens. Der ehemalige Filialleiter wurde Anfang Januar zu keiner Einziehung verurteilt.