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Verkehrsgerichtstag in Goslar Alkolocks und Bremssysteme für sicheren Verkehr

Von Christopher Bredow | 25.01.2019, 20:08 Uhr

Alkolocks, Notbrems-Assistenten und autonomes Fahren: Auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag (VGT) in Goslar wurden von Experten wieder zahlreiche Verkehrsthemen diskutiert und Empfehlungen ausgesprochen. Der Delmenhorster Verkehrsexperte Dr. Wolfgang Schmidt war beim VGT dabei.

2000 Experten haben beim 57. Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar am Donnerstag und Freitag aktuelle Verkehrsfragen erörtert. Der Delmenhorster Rechtsanwalt und Verkehrsexperte Dr. Wolfgang Schmidt war vor Ort und hat sich an den Diskussionen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in Deutschland beteiligt. "Es waren wieder einige interessante Themen dabei", berichtet er im Gespräch mit unserer Redaktion.

Verkehrsgerichtstag empfiehlt Einbau von Alkolocks

Unter anderem ging es um die bereits im Vorfeld diskutierten Alkohol-Wegfahrsperren, sogenannte Alkolocks. Dabei handelt es sich um in Fahrzeugen eingebaute Atemalkohol-Messgeräte mit einer angeschlossenen Wegfahrsperre. Fahrer müssen zunächst in das Gerät pusten und ihren Alkoholwert überprüfen lassen, bevor sie ihr Auto starten können. (Nachgefragt im Video: Wollen Sie ein Tempolimit auf Autobahnen?)

Schmidt hält Alkolocks für eine sinnvolle Alternative zu langen Fahrverboten: "Sperrfristen bei der Entziehung der Fahrerlaubnis könnten so verkürzt werden", erklärt er. Dabei habe sich der VGT auch für den Einbau solcher Geräte in Lkws ausgesprochen. "Außerdem muss geprüft werden, ob zusätzlich ein Gesichtserkennungssystem notwendig ist, um einer möglichen Manipulation des Messgeräts durch nüchterne Mitfahrer vorzubeugen", erläutert Schmidt.

Lkws und Busse sollen mit Abbiegesystemen ausgestattet werden

Ein wichtiges Thema war zudem die hohe Zahl tödlicher Lkw- und Bus-Unfälle in den vergangenen Jahren. Um diese zu verringern, fordert der VGT laut Schmidt, dass alle neuen Lkws und Busse mit Notbremsassistenten ausgestattet werden, die nicht mehr einfach auszuschalten sind: "Oft passieren Auffahrunfälle, weil die Fahrer den Assistenten ausgeschaltet haben. Das Bremssystem sollte sich daher nach kurzer Zeit automatisch wieder einschalten." (Lesen Sie hier: Kommt der Grüne Pfeil nur für Radfahrer?)

Außerdem soll es Abbiege-Assistenten geben, die die Fahrer beim Rechtsabbiegen akustisch vor Radfahrern und Fußgängern warnen und automatisch abbremsen. "Insgesamt sollte man von der vorhandenen Technik noch viel öfter Gebrauch machen und sie sinnvoll ergänzen, wie zum Beispiel nun durch ein Abbiegesystem", sagt Schmidt.

Autonomes Fahren noch kein akutes Thema

Der Rechtsanwalt selbst hat sich in einem Arbeitskreis zum Thema autonomes Fahren eingebracht. Dabei ging es um die Frage, wer strafrechtlich verantwortlich ist, wenn automatisch fahrende Autos Unfälle mit Verletzten verursachen. Aufgrund von fehlenden Erfahrungswerten konnte der VGT laut Schmidt hier aber keine eindeutige Stellung beziehen. Allerdings solle ein Speicher eingeführt werden, in dem alle Daten festgehalten werden, die für die Aufklärung von Unfällen nötig sind. "Beim autonomen Fahren muss zunächst abgewartet werden, was für Problemfälle es wirklich verursacht", erklärt Schmidt. (Lesen Sie hier: Wer soll bei Unfällen mit automatisch fahrenden Autos künftig schuld sein?)