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Schwere Körperverletzung in Delmenhorst Gegenseitige Angriffe beschädigen Freundschaft

Von Christopher Bredow | 23.01.2019, 17:15 Uhr

Ein 34 Jahre alter Mann aus Delmenhorst musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht für eine schwere Körperverletzung verantworten. Die Tat war der Auftakt eines Streits zwischen zwei Freunden, der noch zu weiteren gegenseitigen Angriffen führte.

Gegenseitige schwere Körperverletzungen in Folge eines Partyabends haben die Freundschaft zwischen zwei Männern aus Delmenhorst schwer beschädigt – bis sich beide wieder besonnen und vertragen haben. Dennoch musste sich am Mittwoch ein 34-jähriger Delmenhorster vor dem Amtsgericht verantworten, nachdem er seinen Freund im Juli 2016 mit einem Radmutterschlüssel auf den Hinterkopf schlug.

Streit um 1,60 Euro nach einer Taxifahrt eskaliert

Grund dafür war ein Streit nach einer nächtlichen Taxifahrt von Bremen nach Delmenhorst. Der Angeklagte schuldete dem Opfer noch 1,60 Euro für die Fahrt, woraus unter Alkoholeinfluss ein beleidigendes Wortgefecht und gegenseitige Schläge entstanden. Nachdem die beiden Männer bereits auseinander gegangen waren, nahm der Angeklagte das Werkzeug aus dem Kofferraum seines Autos und fügte seinem Freund mit einem Schlag eine sechs Zentimeter lange Platzwunde am Hinterkopf zu. Zwei Stunden nach der Tat stellte die Polizei einen Alkoholwert von 0,93 Promille bei dem Täter, der zuvor schon mehrfach wegen Körperverletzungen verurteilt wurde, fest.

Angeklagter wird vom Opfer auf dem Bremer Freimarkt angegriffen

In der Verhandlung vor dem Amtsgericht räumte der Delmenhorster die Tat ein und gab an, selbst schon mehrfach von dem Opfer verletzt worden zu sein – zunächst in der besagten Nacht im Sommer 2016, später im Oktober des gleichen Jahres auf dem Bremer Freimarkt. (Lesen Sie hier: Trunkenheitsfahrt hat für Delmenhorster viele Folgen.)

Für den zweiten Angriff, bei dem der Angeklagte einen Schädelbasisbruch erlitt und seinen Geruchs- und Geschmackssinn verlor, wurde sein eigentlicher Freund bereits im Jahr 2017 vom Amtsgericht Bremen zu einer Schmerzensgeldzahlung in Höhe von 1500 Euro verurteilt. Das als Zeuge geladene Opfer gab in der Verhandlung an, diese Tat aus einer Aggression in Folge der Nacht vom Juli 2016 heraus begangen zu haben.

Täter und Opfer sprechen von Versöhnung

Nach einer Aussprache zwischen den beiden Streitenden kam es zur Versöhnung und der Angeklagte zahlte das Schmerzensgeld eigenen Angaben zufolge in voller Höhe zurück – auch, um seine eigene Schuld aus dem ersten Vorfall zu begleichen, wie sein Verteidiger erklärte. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Delmenhorst wollte das Opfer seinen Freund daher auch nicht weiter belasten und bat um eine milde Strafe: "Wir haben beide Schuld und uns ausgesprochen. Aus den Vorfällen soll keiner einen Nachteil haben", sagte er. (Lesen Sie hier: Ex-Partner muss nach Tötung von Obdachloser 13 Jahre in Haft.)

Bei dem zuständigen Staatsanwalt stieß diese Wendung auf Verwunderung. So habe das Opfer bei seiner Erstattung der Anzeige noch umfangreiche und den Angeklagten beschuldigende Angaben zu dem Vorfall gemacht. "Damals war der Hass noch größer", erklärte der Zeuge dazu. Das Verhältnis zwischen den beiden langjährigen Freunden sei damals durch zahlreiche Missverständnisse gestört worden, die inzwischen aber ausgeräumt werden konnten.

Angeklagter soll Anti-Gewalt-Training absolvieren

In Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wurde der Angeklagte vom Schöffengericht zur Zahlung von 600 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung verurteilt. Zudem soll er ein Anti-Aggressions-Training absolvieren. Als Begründung gab die Richterin an, dass der sich einsichtig zeigende Angeklagte seit 2016 nicht mehr auffällig geworden ist und selbst zweimal von seinem Opfer verletzt wurde. Ein Anti-Gewalt-Training könnte aber dazu beitragen, sich in Auseinandersetzungen künftig besonnener zu verhalten.