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Glage: „Ich bereue nichts“ Delmenhorster Streunerhilfe besteht seit einem Jahr

Von Frederik Grabbe | 07.04.2016, 09:05 Uhr

Vor einem Jahr ging die Streunerhilfe mit Herz an den Start. Sie betreibt in erster Linie Auslandstierschutz. Nach diesem einen Jahr zieht die Vorsitzende Kirsten Glage ihr Fazit: „Ich bereue nichts.“

Die Schaltzentrale eines Vereins für Streuner hat man sich so eigentlich nicht vorgestellt. Will man mit der Vorsitzenden Kirsten Glage sprechen, trifft man sich am besten in ihrer Praxis für Krankengymnastik an Bremer Straße/ Ecke Rosenstraße. Tritt der Besucher in der Praxis an den Empfang, sieht er dahinter zwei Sessel mit Decken eingehüllt. Darauf oder wahlweise auch davor sitzen die Hunde Felix (10) und Amy (15), beides Streuner aus Rumänien. „Mit ihm hat alles angefangen“, sagt Kirsten Glage und deutet auf Felix.

Spenden sammeln, aber keine Hundevermittlung

Vor einem Jahr hat Glage den Verein Streunerhilfe mit Herz gegründet . Die Hilfe bezieht sich bei dem Verein auf die Vermittlung an Geld- und Sachspenden an Partnervereine, etwa an den Tierschutzverein Delmenhorst, den Verein Tierheimleben in Not (Bayern), der sich in Ungarn engagiert, oder an eine Hunderettungsorganisation in Rumänien, die von zwei Frauen geführt wird. Bei allen Partnern pflegt sie eine enge Zusammenarbeit, lässt sich teilweise sogar Belege für Einkäufe zukommen. So will die 49-Jährige sicherstellen, dass die Spenden auch ankommen. Schwerpunktmäßig betreibt die Delmenhorster Streunerhilfe also Auslandstierschutz. Was sie nicht tut, ist die Vermittlung von Hunden, stellt Glage klar.

Tierschutz durch Kastrationen

Dabei stammen Felix und Amy selbst aus einer solchen Vermittlung. „Vielleicht Pointer, vielleicht etwas anderes“, welche Hunderasse oder Rassen im Mischling Felix stecken, ist nicht klar, aber auch nicht so wichtig. Der Hund kam vor neun Jahren in die Familie der Glages. Kirsten Glage (49) hatte damals mit Depressionen zu kämpfen. „Felix hat mich wieder ins Leben zurückgeholt“, sagt sie heute. Diese Erfahrung habe sie dazu angetrieben, stärker in den Tierschutz einzusteigen. „Ich wollte einfach mehr tun, als einmal im Jahr 50 Euro zu spenden.“ Die Entscheidung zur Vereinsgründung fiel, als sie im dk im März 2013 ein Porträt über die rumänische Tierschützerin Mihaela Graure las. Eine Frau, mit der Glage heute selbst zusammenarbeitet. „Diese Frau opfert ihre gesamte Freizeit und was an Geld übrig ist für den Tierschutz“, sagt Glage. Damals wie heute bewundert sie die Arbeit der Rumänin. Hauptproblematik dort war und ist die unkontrollierte Vermehrung von Straßenhunden. Die herrenlosen Tiere leiden Hunger, an Krankheiten oder werden gar misshandelt. Kastration ist darum ein Schwerpunkt in der Tierschutzarbeit.

 (Weiterlesen: Delmenhorster Verein ruft Wunschbaum für Tiere ins Leben)

Glages Rechnung vor der Vereinsgründung: „Wenn ich zehn Leute zusammen bekomme, die monatlich 5 Euro überweisen, kann ich eine Kastration bezahlen.“ Glage schlägt sich mit Bravour durch den Dschungel des Vereinsrechts. Vereinsformen, Absetzbarkeit, Gemeinnützigkeit: Auf all das ist sie vorbereitet, als sie sich zum Beratungsgespräch mit einem Bremer Fachanwalt trifft. Zu dessen Verwunderung legt sie – gleich beim ersten Treffen – eine fertige Satzung auf den Tisch. „Ich wusste genau, was ich will“, sagt sie.

2000 Euro an Geldspenden, 4000 Euro an Sachspenden

Mit diversen Sammelaktionen, etwa zu Weihnachten oder Ostern im Futterhaus an der Seestraße, hat die Streunerhilfe samt Mitglieder-Gelder im ersten Jahr rund 2000 Euro zusammengetragen. Allein die Osterspendenaktion brachte 413 Euro. Hinzu kommen unzählige Sachspenden. So kamen bei der Weihnachtsspendenaktion Gegenstände im Wert von 4000 Euro zusammen. Vor einem Jahr hätte Glage mit mehr Gegenwind oder gar Anfeindungen, wie sie andere Tierschutzvereine aushalten hätten müssen, gerechnet. Darum sagt sie über die Delmenhorster Spendenbereitschaft für den kleinen Verein mit aktuell sieben Mitgliedern: „Ich bin überwältigt – und bereue nichts.“