Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

100 Jahre Sozialverband Deutschland Delmenhorster Verein fehlt der Nachwuchs

Von Mareike Bader | 18.09.2017, 13:54 Uhr

Viel hat sich getan, seit der Sozialverband Deutschland vor 100 Jahren gegründet wurde. Ein Problem ist inzwischen auch die Mitgliederstruktur.

Vor 100 Jahren wurde der Sozialverband Deutschland (SoVD) gegründet, als „Reichsbund der Kriegsgeschädigten“ nach dem Ersten Weltkrieg. Damals wie heute erhielten die Mitglieder eine Rechtsberatung. Die Rente für Kriegshinterbliebene sei zwar weiterhin Thema. Doch ansonsten hat sich das Themenfeld grundlegend geändert.

Heute geht es um sozialrechtliche Beratung und Vertretung, wenn es etwa um Arbeitslosengeld, Rente, Schwerbehinderung, Pflegegeld oder Inklusion geht. Gemeinsame Aktionen, wie das Spargelessen, werden dagegen kaum noch nachgefragt, sagen die Vorstandsmitglieder. Den Weg zum Beratungszentrum des SoVD am Kirchplatz finden die Mitglieder über Ärzte, andere Organisationen, Selbsthilfegruppen oder die Stadt Delmenhorst.

Mitgliedschaft ist Pflicht

Wer beraten werden will, muss in den Verein eintreten. Das sei gesetzlich so geregelt, betont die hauptamtliche Sozialberaterin Katrin Garthemann. Das große Problem: Die meisten Hilfesuchenden verlassen den Verein nach getaner Arbeit schnell wieder. „Früher blieben die alle drin“, sagt Kreisverbandsvorsitzender Kurt Strauß. Da helfe es nur, an die Solidargemeinschaft zu appellieren. Sonst müssen die Beiträge erhöht werden, sagt Schriftführerin Gudrun Strauß. Derzeit liegt dieser bei etwa sechs Euro im Monat. Bei der Gründung im Mai 1917 waren es 50 Pfennig.

Der SoVD sei heute eher ein politischer Verein, sagt Kurt Strauß. „Ohne kompetent besetztes Beratungszentrum und die vielen ehrenamtlichen Helfer der beiden Ortsverbände, könnte die Beratung unserer über 1000 Mitglieder nicht Delmenhorst nicht so effektiv geleistet werden“, heißt es in einer Mitteilung zum 100-jährigen Bestehen. Auch nach der Zusammenlegung der beiden Ortsverbände zu einem Kreisverband ist Delmenhorst der kleinste Verband in Niedersachsen.

„Es ist schöner, wir machen das gemeinsam, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht“, sagt Gudrun Strauß. Mit den sinkenden Mitgliederzahlen, seien zwei getrennte Ortsverbände auch nicht mehr möglich, sagt Kurt Strauß. Denn auch im gemeinsamen Kreisverband sind einige Posten im Vorstand doppelt besetzt, weil das Personal fehlt. „Man kriegt kaum noch Leute, die sich ehrenamtlich einbringen“, sagt die Schriftführerin.