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102 Euro pro Schüler in Delmenhorst Diakonie kritisiert hohe Kosten für Schulmaterial

Von Kai Hasse | 15.01.2018, 18:07 Uhr

Schüler in der Region Oldenburg/Delmenhorst müssen zu viel Geld für Schulbedarf zahlen. Das ist das Fazit einer Untersuchung von Caritas und Diakonie. Ein Trost: In Delmenhorst achten Lehrer auf Kinder aus einkommensschwachen Familien.

152 Euro müssen Eltern im Schnitt am ersten Schultag bezahlen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Oldenburgischen Landesverbände von Diakonie und Caritas. Ausgewertet wurden dafür 277 Schulbedarfslisten in den Oldenburg und Delmenhorst. In Delmenhorst betragen die durchschnittlichen Kosten zu Beginn eines Schuljahres 102 Euro. Dass der Wert in Delmenhorst weit unten ist, liegt auch an den Delmenhorster Lehrern. Derweil hat nun das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen entschieden, dass der Kauf von Schulbüchern für Hartz-IV-Empfänger ersetzt werden muss.

Delmenhorst vergleichsweise günstig

Für die Studie wurden 277 Schulbedarfslisten ausgewertet – 63 davon aus Schulen in Delmenhorst, 107 aus Schulen in Oldenburg-Stadt und -Land. Untersucht wurden auch Listen aus den Kreisen Vechta, Cloppenburg und Wilhelmshaven/Friesland. Delmenhorst liegt mit 102 Euro am untersten Ende der Kostenspanne, Oldenburg Stadt/Land mit 168 Euro im Mittelfeld. Dass der Wert gerade in Delmenhorst – quer durch alle Klassenstufen – deutlich niedriger ist als bei den anderen Kommunen, liegt laut Diakonie Oldenburger Land auch an den Delmenhorster Lehrern. Die würden sich aus Verständnis für die Situation einkommensschwacher Familien anpassen: Das beschaffte Material könne deutlich billiger sein als sonst üblich, solange es funktioniert.

Forderung: Teilhabepaket anpassen an Bedarf

Trotz der niedrigen Kosten in Delmenhorst ist der Kritikpunkt von Diakonie und Caritas: Die Zuschüsse aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Staates betragen nur 70 Euro zum Schuljahresbeginn. Das Teilhabepaket ist eine wichtige Messlatte, denn es ist das Förderpaket für finanziell schwache Familien. Wem nachgewiesenermaßen das Geld fehlt, kann seinen Bedarf anmelden. Caritasdirektor Dr. Gerhard Tepe sowie Diakonie-Vorstand Thomas Feld forderten, „kurzfristig die tatsächliche Höhe des Schulbedarfs unter Berücksichtigung der Schulform, des Standortes und der Jahrgangsstufe zu ermitteln und die Höhe der Erstattung dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.“ Franz-Josef Franke, Chef der Diakonie in Delmenhorst/Oldenburger Land freut sich am Montag aktuell über eine Entscheidung des Landessozialgerichtes Niedersachsen-Bremen. Das hat entschieden, dass Hartz-IV-Empfängern der Kauf von Schulbüchern ersetzt werden muss. Seine Kritik bleibt aber: „Auch wenn die Kosten in Delmenhorst niedrig sind – gerade zum Schuljahresbeginn gibt es hohe Kosten wie beispielsweise Schulranzen oder Taschenrechner, die eine Belastung für einkommensschwache Familien sind.“ Er lobt speziell die Schulen in Delmenhorst, bei denen er vonseiten der Lehrer das Bemühen bemerkt, die Kosten gering zu halten.

Buchständer aus Holz verkneifen

Das bestätigt Hartmut Seedorff, Leiter der Grundschule Parkschule. Bei ihm gehen 310 Kinder zur Schule, zu einem großen Teil aus einkommensschwachen Familien. „Wegen unseres Klientels versuchen wir, die Kosten gering zu halten“, sagt er. Das bedeute, dass beispielsweise Materialien wie Malstifte nicht zur besten Qualität und den besten Marken gehören muss, oder dass man sich Buchständer aus Holz schlicht verkneift. „Zusätzlich versuchen wir, auf Antrag der Eltern Bücher auch im Leihverfahren zu bekommen, damit sie nicht gekauft werden müssen.“ Die Qualität des Unterrichtes leide darunter nicht. Füller, Ranzen oder Stifte können auch eine Idee schlechter sein, solange das Arbeitsergebnis damit stimmt.

131 Bedarfsbögen aus Grundschulen

Bei der Studie berücksichtigt wurden Kosten für Bücher, Hefte, Stifte Kopiergeld oder Beiträge zur Klassenkasse. Nicht mitberechnet wurden die Kosten für Klassenfahrten, Sportbedarf, Hausschuhe oder Gummistiefel sowie die Kosten für eine Wiederbeschaffung. Schultaschen wurden nur einmalig in der ersten Klasse berücksichtigt. Mit 131 Bögen stammten die meisten Schulbedarfslisten aus Grundschulen, 81 aus Oberschulen sowie 32 aus Gymnasien.

Bei Gymnasien Kosten besonders hoch

Gerade auch an Gymnasien seien die Kosten hoch. Die Zahlen der Studie, den Landesverband betreffend, zeigen: Der Besuch eines Gymnasiums belaste die Eltern mit durchschnittlich 269 Euro zum Schuljahresbeginn weit mehr als der anderer Schulen (Förderschulen: 120 Euro).

Suche nach Beispielfamilien

Caritas und Diakonie suchen nun 50 Familien aus dem Oldenburger Land, die ab sofort ihre Ausgaben rund um das Thema Schule im Jahr 2018 notieren. Weitere Infos beim Landes-Caritasverband, Dietmar Fangmann, Tel. 04441/8707-0 oder Diakonisches Werk, Frerk Hinrichs, Tel. 0441/21001-14.