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125 Jahre Genossenschaftsverband Weser-Ems Zündende Idee der Hilfe zur Selbsthilfe

Von Dirk Hamm | 31.07.2015, 19:07 Uhr

Im 19. Jahrhundert fand der Genossenschaftsgedanke auf dem Land großen Zulauf. Dann wurden Zentralverbände gebildet, die Prüfungs- und Beratungsaufgaben übernahmen.

Einst aus der Not der ländlichen Bevölkerung geboren, gehören landwirtschaftliche Genossenschaften bis heute zu den grundlegenden Organisationsformen im Agrarwesen. Dies gilt auch für unsere Region: Von den Warengenossenschaften über die Viehvermarktungs-, Molkerei- und Fischereigenossenschaften bis zu den Volks- und Raiffeisenbanken sowie den Energiegenossenschaften reicht das Spektrum der rund 300 Mitglieder des Genossenschaftsverbands Weser-Ems mit Sitz in Oldenburg.

Anlass zu einem Blick in die Geschichte des hiesigen ländlichen Genossenschaftswesens bietet in diesem Jahr das 125-jährige Jubiläum der Verbandsgründung. Dazu ist eine umfangreiche und anschaulich bebilderte Chronik herausgegeben worden, die im Internet auf der Seite gvweser-ems.de aufgerufen werden kann.

Produktivität der Landwirtschaft konnte gesteigert werden

Eng verbunden mit den Namen Friedrich Wilhelm Raiffeisen, Hermann Schulze-Delitzsch und Wilhelm Haas, gewann der Genossenschaftsgedanke in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland immer mehr Zulauf. Mit den Grundprinzipien der Hilfe zur Šelbsthilfe und der Selbstverwaltung gründeten sich damals im Großherzogtum Oldenburg mehr als 30 landwirtschaftliche Konsumvereine und 22 Molkereigenossenschaften. Mithilfe dieses Organisationsmodells ist es den Landwirten im Oldenburger Land erheblich erleichtert worden, vor allem die Produktivität der Vieh- und Milchwirtschaft und die Ertragsfähigkeit des Bodens zu steigern.

Weitere Verbesserungen wurden möglich, als die Genossenschaften Zentralverbände bildeten, etwa 1882 einen zentralen Einkaufsverbands. Diese Institutionen übernahmen die Aufgaben der Buchprüfung, Qualitätskontrolle und technischen Beratung der angeschlossenen Genossenschaften und halfen so den Mitgliedern, im Wettbewerb mit der privaten Handelskonkurrenz bestehen zu können. Auch der agrartechnische Fortschritt wurde so gefördert: Ab der Jahrhundertwende konnte mit dem Einsatz künstlicher Düngemittel in Geest-, Moor- und Heidegebieten der Bodenertrag deutlich gesteigert werden.

Rasante Mitgliederentwicklung bis zum Ersten Weltkrieg

Der nächste Entwicklungsschritt des Genossenschaftswesens im Nordwesten erfolgte dann am 19. Juli 1890 mit der Gründung des Verbands oldenburgischer landwirtschaftlicher Genossenschaften, aus dem der heutige Genossenschaftsverband Weser-Ems wurde. Prägende Figur der Anfangsjahre war der Oldenburger August Willers, ein Kaufmann alter Schule. Die Entwicklung in dieser Zeit verlief rasant, bis zum Ersten Weltkrieg hatten sich mehr als 200 Genossenschaften angeschlossen.