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Die etwas anderen Sommerferien 16 Schüler lernen in der "Summer School" in der VHS Delmenhorst

Von Niklas Golitschek | 09.08.2019, 10:13 Uhr

Pauken statt entspannen – bei der "Summer School" in Delmenhorst haben in diesem Jahr 16 Schüler die Sommerferien genutzt, um außerhalb des Unterrichts zu lernen.

Nach der Schule in die Schule: 16 Schüler aus Delmenhorst haben in diesen Sommerferien an der „Summer School“, einem Projekt mehrerer Träger, in der Volkshochschule teilgenommen. Freiwillig, um ihre Noten in Zukunft aufzubessern. Dafür haben sie vom 31. Juli bis diesen Freitag gepaukt.

„Für mich ist es langweilig ohne Schule“, sagt Roshin Azad von der Oberschule Süd. Für die 15-jährige aus dem Irak sie die „Summer School“ eine willkommene Gelegenheit, ihre Deutsch-, Englisch- und Mathekenntnisse auch außerhalb des regulären Unterrichts zu verbessern. Das Wissen auffrischen will dagegen Alina Kandyba von der Mosaikschule. „Man lernt auch viel über die eigenen Stärken, das ist nicht wie in der Schule“, sagt die baldige Zehntklässlerin.

Nicht wie Schule

Nicht wie Schule, genau das will die Summer School auch sein. Lerninhalte sollen selbstverständlich vermittelt werden, doch eben in einer etwas anderen Atmosphäre. Es gehe vor allem auch darum, den Schülern die Angst zu nehmen, etwas nicht zu wissen, betont Mathe-Dozent Hans-Ulrich Glorius. „Wir wollen die Neugier wecken.“ Dabei müssten durchaus die Grundkenntnisse unterrichtet werden, die seien teils verloren gegangen. Ziel sei jedoch, was Glorius schon mehrfach beobachtet habe: „Sie kommen dann und wollen mehr wissen.“ Dass die Schüler ihn auch Jahre später noch bei Zufallsbegegnungen in der Stadt erkennen und vom Unterricht schwärmen würden, zeige, dass das Konzept nachhaltig sei. „Ich will, dass das allen weiterhilft“, sagt Glorius über seine Motivation.

„Das ist eine ganz tolle Leistung“

Auch Ralf Kronhardt, Sozialarbeiter an der Hauptschule West und seit der ersten „Summer School“ dabei, zeigt sich von dem Konzept überzeugt. „Sie bietet die Möglichkeit, Versäumtes nachzuholen“, sagt er. Er sei damals wie heute erstaunt, dass die Schüler das freiwillig machen. „Das ist eine ganz tolle Leistung.“ Und eine, die sich offenbar auszahlt: Teilnehmer der „Summer School“ verbessern sich im folgenden Schuljahr laut Kronhardt im Durchschnitt um eine Note. „Sie sind dann auch total motiviert“, berichtet er. Außerdem entstünden in dieser Zeit Freundschaften, die auch über die Ferienschule hinaus hielten.

Mit viel Praxis

Neben dem Unterricht nimmt auch ein Praxisteil eine zentrale Rolle ein. In kreativen Stunden werden etwa Taschen selbst gestaltet, Berufsberater der Agentur für Arbeit geben Tipps für Bewerbungen und Vorstellungsgespräche – Bewerbungsfotos gibt es bei der „Summer School“ inklusive. Hinzu kommen die Analyse eigener Stärken und Schwächen, Betriebsbesichtigungen oder Ausflüge. „Wir geben ihnen das wichtigste an die Hand für die weitere Ausbildungssuche“, sagt Berufsberaterin Merle Battenberg. Durch den direkten Kontakt mit den Unternehmen sei auch schon ein erstes Kennenlernen möglich.

Die beiden Schülerinnen wissen auch schon, was sie später machen möchten: Roshin Azad strebt eine Ausbildung als Bankkauffrau an, Alina Kandyba will zuerst eine Ausbildung in der Altenpflegeassistenz absolvieren und dann Polizisten werden. Letzteres strebt auch „Summer School“-Klassenkamerad Aleksandar Milchov von der Hauptschule West an. Er berichtet ebenfalls nur Gutes von der Summer School: „Sie ist entspannt. Ich hoffe, die Schule wird genauso. Dann habe ich da auch Bock zu.“