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16. Zivilcouragepreis in Delmenhorst Helfen, selbst wenn es schmerzt

Von Frederik Grabbe | 14.03.2017, 19:26 Uhr

Sie haben Mut bewiesen und sich für andere Mitbürger eingesetzt: Im Rathaus ist am Dienstag der Delmenhorster Preis für Zivilcourage vergeben worden. Insgesamt wurden drei Bürger für ihre Zivilcourage im festlichen Rahmen ausgezeichnet.

Dass derjenige, der helfen will, mitunter selbst nicht ungefährlich lebt, zeigt der Fall von Natalie (40) und Vitali Brand (44): Im Februar 2016 verfolgte Natalie Brand mit ihrem Mann Vitali nach Angaben des für die Preisverleihung verantwortlichen Kriminalpräventiven Rates (KPR) einen jungen Mann, der mit einem kurz zuvor gestohlenem Fahrrad den Radweg an der Adelheider Straße entlang fuhr und gegen mehrere Außenspiegel von dort geparkten Autos trat. Das Ehepaar Brand nahm mit ihrem Wagen die Verfolgung auf und konnte den randalierenden Radfahrer bei der Autobahnauffahrt in Adelheide stoppen. Vitali Brand hielt den Mann fest, auf Natalie Brands Bitten hin rief ein Zeuge die Polizei.

Helfer musste Schläge ins Gesicht einstecken

Doch bis diese eintraf, musste Vitali Brand Schläge des Mannes und dessen hinzugeeilten Vaters, der an der Stelle wohnte, ins Gesicht einstecken. Zudem musste das Auto der Brands leiden: Der junge Mann demolierte einen Außenspiegel und die Motorhaube. Wie sich später herausstellte, war der Mann betrunken und mehrfach vorbestraft. „Wir konnten ihn einfach nicht davonkommen lassen. Die Verfolgung war eher eine impulsive Handlung“, sagte der ehemalige Ringer Vitali Brand.

Einer hilft, während 20 andere gaffen

Was es heißt, zu helfen, während andere nur zuschauen, beschreibt der Fall von Eduard Hellrot (32). Bei einem Unfall im Mai 2016 auf der Mühlenstraße/ Ecke Welsestraße lag ein Autofahrer bewusstlos in seinem Wagen, sein Kopf klemmte unter der Kopfstütze des Beifahrersitzes fest. Hellrot kletterte in das zerstörte Auto und löste den Kopf des Fahrers, drehte ihn auf die Seite, damit Blut und Erbrochenes herauslaufen konnten – und das, während 20 Schaulustige untätig blieben. Hellrot half weiter, den Kopf des Verletzten zu stabilisieren, nachdem die Einsatzkräfte eingetroffen waren.

 (Weiterlesen: Zivilcouragepreis 2015: Jahnz entschuldigt sich bei Tochter von Todespfleger-Opfer) 

Großer Respekt für Geehrte

„Die Polizei und die Feuerwehr können nicht alleine für Sicherheit sorgen. Aber Sie waren da, als die Sicherheitsinstitutionen nicht sofort zur Stelle waren – insofern haben Sie sich als Krönung aller Sicherheitsbemühungen erwiesen“, lobte der Leiter des Zentralen Kriminaldienstes der hiesigen Polizei, Marcus Scharf, den bürgerlichen Einsatz. Oberbürgermeister Axel Jahnz sprach den Geehrten seinen großen Respekt aus und verurteilte scharf die das Verhalten der Gaffer, die im Falle von Eduard Hellrot tatenlos geblieben waren. Den Helfern sprach er seinen Dank aus, da ihr Einsatz auch auf die Stadt abfärbe: „Sie setzen ein sichtbares Zeichen dafür, dass in Delmenhorst niemand allein gelassen wird. Dafür danke ich Ihnen.“

Preis zum 16. Mal verliehen

Zur feierlichen Untermalung der Preisverleihung spielte das Holzbläserquintett des Landes Niedersachsen auf. Der Ehrenamtspreis ist am Dienstag zum 16. Mal vom KPR verliehen worden, ein Zusammenschluss aus Stadt und Polizei.