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19-Jähriger zeigt sich geständig Delmenhorster Juwelier um 48 Eheringe erleichtert

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 08.03.2016, 15:23 Uhr

48 Eheringe hatte er bei einem Überfall auf einen Delmenhorster Juwelier mit einem Komplizen geraubt. Seine Beute teilte er indes nicht: Vor dem Landgericht Oldenburg wird nun der Fall eines 19-Jährigen verhandelt. Bei der Tat gingen die Männer mit einer bestimmten Masche vor: Sie spielten ein homosexuelles Pärchen.

Von Delmenhorst hatte der Angeklagte nach eigenem Bekunden nie zuvor gehört. Eher zufällig sei er mit seinem Komplizen am 28. Januar vorigen Jahres „eine Station hinter Bremen“ aus dem Zug gestiegen und habe sich ein wenig umgesehen – nach Juwelieren. Einen dieser Juweliere hat er schließlich um 48 Eheringe erleichtert.

Nach ähnlichem Muster schon andere Juweliere beraubt

In diesem Punkt decken sich seine eigene Aussage mit jener des Mittäters und vor allem der Staatsanwaltschaft. Diese wirft dem heute 19-jährigen Mann aus Schleswig-Holstein Bandendiebstahl und schweren Raub vor – und zwar in mehreren Fällen: Vor seinem Überfall auf den Delmenhorster Juwelier soll er bereits nach ähnlichem Muster Juweliere in Buxtehude und Stade bestohlen beziehungsweise beraubt haben. Seit Dienstag muss sich der Angeklagte deswegen vor dem Landgericht Oldenburg verantworten.

 (Weiterlesen: Raubüberfall auf Juwelier in Delmenhorster Innenstadt) 

Mit Beute durchgebrannt?

Seinen Mittäter, einen heute 24-jähriger gelernter Hotelfachmann, hat die Kammer bereits im vorigen Jahr zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Dienstag sagte er noch einmal vor dem Landgericht aus, dieses Mal nicht als Angeklagter, sondern als – offenbar wenig wohlgesonnener – Zeuge: Er wirft seinem Komplizen vor, mit den rund 13000 Euro, welche beide bei einem Hamburger Hehler für die Ringe aus dem Delmenhorster Beutezug erhalten hätten, durchgebrannt zu sein. Er sei deswegen immer noch „sauer“.

Die Masche: Vorgaukelung eines homosexuellen Paares

Dabei hatten sich der Angeklagte und der Zeuge noch vor gut einem Jahr blendend verstanden. So spielten sie jenen Juwelieren, die sie bestahlen, nach Aussage des 24-Jährigen gar glaubhaft vor, ein homosexuelles Paar zu sein, das kurzfristig heiraten wolle – und sich deswegen so sehr für Eheringe interessiere.

Kontakt im Gefängnis geschlossen

Kennengelernt hatten sich die beiden Kriminellen vor einigen Jahren in der Justizvollzugsanstalt Neumünster und sind sich im Dezember 2014 offenbar eher zufällig in Hamburg wieder begegnet. Weitere Treffen der beiden sind auf absehbare Zeit allerdings eher unwahrscheinlich: Während der 24-jährige seine Freiheitsstrafe in Zeven verbüßt, sitzt der 19-jährige derzeit in Oldenburg ein. Denn das Landgericht Bückeburg hat ihn im vorigen April zu viereinhalb Jahren Haft wegen gemeinschaftlicher räuberischer Erpressung in einer anderen Tatserie verurteilt. Beim laufenden Prozess vor dem Landgericht Oldenburg geht es daher „nur“ um die Frage, wie viele Monate oder Jahre noch hinzu kommen werden. Das Gericht setzt die Verhandlung am morgigen Donnerstag fort.