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1967 feiert Farbfernsehen Premiere Vor 50 Jahren: Als die TV-Welt bunt wurde

Von Dirk Hamm | 26.08.2017, 11:48 Uhr

„Der goldene Schuss“ in Farbe – das war 1967 eine fernsehtechnische Sensation. Die ersten Farbfernsehgeräte waren für die meisten Zuschauer aber noch zu teuer.

Wohl jeder hat ihn irgendwann schon einmal gesehen, den Filmschnipsel mit einem deutschen Außenminister, der bedeutungsvoll auf einen roten Knopf drückt: Symbolisch gab Willy Brandt so am 25. August 1967 auf der Deutschen Funk-Ausstellung in Berlin das Startsignal für das Farbfernsehen in der Bundesrepublik. Vor 50 Jahren wurde die bis dahin graue Fernsehwelt knallbunt – passend zum Flower-Power-Jahr 1967.

„Ein denkwürdiger Tag“

Ein bedeutendes Ereignis in Westdeutschland, dem überhaupt erst vierten Land auf der Welt, dessen Fernsehzuschauer farbiges TV empfangen konnten. Entsprechend groß war das Medienecho: „Ein denkwürdiger Tag: Farbe frei für den Fernsehschirm!“ lautete die Schlagzeile im dk. Am Tag danach lieferte die Farb-Premiere gar den Aufmacher auf der Titelseite des Kreisblatts.

Berühmter roter Knopf war Attrappe

Dass der rote Knopf, den der spätere Bundeskanzler betätigte, sich als Attrappe erwies und die Bildschirme der Farbfernsehgeräte schon Sekunden zuvor in leuchtende Farben getaucht wurden, schmälert die Bedeutung des historischen Moments nicht. Und außerdem: Auch in Delmenhorst dürfte die kleine Panne dem überwiegenden Teil der Fernsehzuschauer gar nicht bewusst geworden sein. Denn im August 1967 standen noch kaum Farbgeräte in den westdeutschen Wohnzimmern.

Farbgeräte waren kaum erschwinglich

Das war keine große Überraschung angesichts der stolzen Preise, die für farbtaugliche Neugeräte hingeblättert werden mussten, erinnert sich Alfred Spille, damals Lehrling bei Mackenthun an der Stedinger Straße, dem seinerzeit größten Fernsehfachgeschäft in Delmenhorst: „Die Geräte waren sündhaft teuer.“ Das belegen die zahlreichen Anzeigen, mit denen im dk für die technische Neuerung geworben wurde: 1865 D-Mark kostete etwa ein vergleichsweise preiswerter Grundig-Farbfernseher – weit mehr als der damalige durchschnittliche Monatsverdienst eines Arbeitnehmers.

Erst in den 70ern Farbfernseh-Boom

Wer dennoch nicht auf die erste große Abendshow in Farbe, „Der goldene Schuss“ mit Vico Torriani, verzichten wollte, wurde ebenfalls per Zeitungsannonce darauf hingewiesen, wo überall Farbfernsehgeräte in Delmenhorster Gaststätten und Hotels in Augenschein genommen werden konnten. Massenhafte Verbreitung fand das Color-TV dann, nicht zuletzt dank des starken Kaufanreizes durch die Olympischen Spiele 1972 und die Fußball-WM 1974, in den 70er Jahren.

Mit 69 Jahren noch täglich im Laden

Alfred Spille steht mit 69 Jahren noch immer hinter der Ladentheke seines Fernsehfachgeschäfts in Heide. 1967 steuerte er dem Ende seiner dreieinhalbjährigen Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker entgegen. Mit ganz anderen Bildröhren als in den Schwarz-Weiß-Geräten hatten es die Fernsehtechniker jetzt zu tun: „Da war wesentlich mehr Technik drin.“

Anfangs noch nicht ganz zuverlässig

Diese war zu Anfang nicht immer hundertprozentig zuverlässig, weiß Spille zu berichten: „Es gab viele Ausfälle. Oft war der Empfang plötzlich nur noch schwarz-weiß oder der Bildschirm hat geflackert.“ Klobig und schwer waren die Geräte zudem: „Das war schon sehr anstrengend, wenn die Dinger in den vierten Stock geschleppt werden mussten.“