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1991 Demos gegen den Golfkrieg Protestierende besetzten Delmenhorster Rathaus

Von Dirk Hamm | 05.02.2016, 20:15 Uhr

Der Krieg am Persischen Golf war vor 25 Jahren das alles beherrschende Thema. Kriegsgegner demonstrierten in Scharen. Der Ganderkeseer Fasching wurde abgesagt.

An diesem Wochenende steht er wieder vor der Tür, der in Ganderkesee und umzu heiß ersehnte Höhepunkt des Faschings. Wie ein Lindwurm wird sich am Samstag der Umzug mit den bunt ausstaffierten Fußgruppen und Mottowagen durch den Ort winden, Zehntausende ausgelassen feiernde Zuschauer werden wieder die Strecke säumen. Genau so ein fröhlicher Tag versprach zu Beginn der Faschingssession auch der 9. Februar 1991 zu werden. Aus der großen Sause sollte jedoch vor 25 Jahren nichts werden.

Denn die Weltpolitik machte den Faschingsfreunden einen Strich durch die Rechnung. Was war geschehen? Am 2. August 1990 ließ Iraks Diktator Saddam Hussein seine Truppen im kleinen Öl-Emirat Kuwait einmarschieren. Daraufhin bildete sich unter der Führung der USA eine internationale Koalition gegen den Irak. Am 17. Januar 1991 begannen wochenlange Bombardierungen. Eine Bodenoffensive zwang die Iraker schließlich am 26. Februar zum Rückzug.

Erster Büttenabend ging wie geplant über die Bühne

Zu Jahresbeginn war der Konflikt am Persischen Golf das in der Öffentlichkeit alles beherrschende Thema. Friedensgruppen, Kirchen und Gewerkschaften mahnten zum Frieden, Demonstrationszüge, Mahnwachen und Friedensgebete waren zeitweise an der Tagesordnung. „Kein Blut für Öl“ lautete die zentrale Parole der Kriegsgegner. Diskussionen entbrannten darüber, ob fröhliche Festivitäten wie die anstehenden Faschingssitzungen und -umzüge angesichts der kriegerischen Eskalation angemessen sind. „Krieg am Golf – und SIE wollen feiern?“ war auf einem Plakat zu lesen, das Demonstranten am Rande einer Veranstaltung der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) entrollten.

Nach dem ersten Büttenabend, der wie geplant über die Bühne ging, folgte die Ernüchterung: Die GGV entschied am 20. Januar, alle weiteren Faschingsveranstaltungen abzusagen. Nicht nur in Ganderkesee, sondern in allen deutschen Karnevalshochburgen fiel das närrische Treiben vor 25 Jahren aus.

Eine der größten Demonstrationen der Stadtgeschichte

Am 16. Januar 1991 erlebte Delmenhorst eine der größten Demonstrationen in der Stadtgeschichte. Rund 1800 Schüler und eine Reihe von Lehrern versammelten sich auf dem Bismarckplatz zu einem Protestmarsch gegen den Krieg. Zu einem Eklat kam es bei einer Protestaktion am folgenden Tag. Nach einem Marsch durch die Innenstadt zogen rund 250 Demonstranten zum Rathaus und besetzten den großen Sitzungssaal, wo gerade ein Ausschuss tagte.

Die Protestierenden weigerten sich, das Rathaus zu räumen, sie wollten Oberbürgermeister Jürgen Thölke, der nicht im Gebäude weilte, persönlich eine Resolution gegen den Krieg überreichen. Einige Ratsmitglieder reagierten ungehalten. Die Polizei bemühte sich um Vermittlung, die Protestierenden verließen schließlich nach einer Stunde das Rathaus mit der Zusage, dass ihre Resolution im Verwaltungsausschuss verlesen wird.