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200 Meter hohe Anlagen geplant: Bürger fürchten Mega-Windpark bei Delmenhorst

Von Michael Korn | 21.10.2015, 14:21 Uhr

Zwischen der A 1 und der B 213 wollen Investoren 21 Windkraftanlagen errichten. Bürger laufen Sturm gegen die 200 Meter großen Riesen wegen einer Beeinträchtigung von Landschaft und Wohnqualität.

Südlich von Delmenhorst könnte bald ein Mega-Windpark die Landschaft verspargeln: Investoren planen auf dem Gebiet der Gemeinde Harpstedt (Landkreis Oldenburg) zwischen der Autobahn A 1 und der Bundesstraße B 213 den Bau von 21 jeweils 200 Meter hohen Windkraftanlagen. Bürger aus dem Delmenhorster Stadtsüden sowie eine Anwohnerinitiative aus den betroffenen Ortschaften Klein Henstedt und Prinzhöfte befürchten nun Gesundheitsrisiken durch Lärm und Infraschall (Vibrationen), Beeinträchtigungen ihrer Wohnqualität sowie eine Verschandelung der Landschaft.

Delmenhorst: Keine negativen Auswirkungen

Die Stadt Delmenhorst ist als direkte Nachbarkommune in das Planungsverfahren einbezogen. Auf Nachfrage teilte die Verwaltung mit, dass „negative Auswirkungen auf die städtebaulichen Belange der Stadt Delmenhorst nicht zu erwarten sind“. Grund: Der geplante Windpark sei „mehr als fünf Kilometer Luftlinie vom Delmenhorster Stadtgebiet entfernt“. Das konkrete Bauvorhaben wird seit Monaten in den Delmenhorster Nachbardörfern südlich von Adelheide und Annenheide diskutiert, auch die Ratsgremien der Gemeinde Harpstedt haben sich mit den Plänen befasst, eine erste Bürgerversammlung mit 80 Anliegern gab es vergangene Woche. In Delmenhorst gab es dagegen offenkundig bislang keine Unterrichtung der Politik über die Vorgänge jenseits der Stadtgrenze - dies wird nun nachgeholt: Der Ausschuss für Planen, Bauen und Verkehr werde in seiner Sitzung am 10. November über die städtebauliche Planung der Samtgemeinde Harpstedt informiert, teilte das Rathaus auf Nachfrage mit.

Windpark mehr als 400 Hektar groß

Die Samtgemeinde Harpstedt will ihren Flächennutzungsplan ändern. Es ist beabsichtigt, zusätzliche Sonderbauflächen für die Windenergienutzung auszuweisen. Bereits 2012 wurde dazu ein Grundsatzbeschluss gefasst. Der räumliche Geltungsbereich umfasst insgesamt fünf Teilflächen mit einer Gesamtgröße von 570 Hektar. Der Entwurf liegt noch bis einschließlich 2. November 2015 öffentlich aus. Auch die Stadt Delmenhorst wurde in diesem Verfahren beteiligt und aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Darüber hinaus wurde die Stadt Delmenhorst auch im vorangegangenen Beteiligungsschritt - der frühzeitigen Beteiligung nach Baugesetzbuch - aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben. Die südlich von Delmenhorst zwischen der A 1 und der B 75 liegende „Sonderbaufläche für die Windenergienutzung“ mit der Bezeichnung „16.2“ weist eine Gesamtgröße von 405 Hektar aus. Die Sonderbaufläche befindet sich in der Gemeinde Prinzhöfte, nördlich der Bundesautobahn A1, nordöstlich der Ortslage Simmerhausen sowie südwestlich der Ortslage Klein Henstedt.

Namhafte Investoren wollen Wind ernten

Bei den Investoren handelt es sich um die vier Planungsgemeinschaften Volkswind (Ganderkesee), wpd (Bremen), Landgut Hennenberg (Hühnerfarm in Prinzhöfte) und Windpark Simmerhausen. Sie planen die Errichtung von 21 Anlagen des dänischen Herstellers Vestas - 137 Meter Nabenhöhe, 126 Meter Spannbreite und 3,3 beziehungsweise 3,45 Megawatt Leistung. Der Windpark soll einen Abstand zur Wohnbebauung von 600 Metern und bei den Lärmwerten die maximal erlaubten 45 Dezibel in der Nacht einhalten.