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23 Raubüberfälle Raubserie: Delmenhorster Täter gesteht vor Gericht

Von Frederik Grabbe | 03.08.2015, 17:25 Uhr

Maskiert und mit Eisenstange, Messer oder Schraubenzieher soll ein 22-jähriger Delmenhorster vielfach Überfälle begangen haben. In Teilen räumte er vor Gericht seine Taten ein.

Vor dem Landgericht Oldenburg ist am Montag ein Verfahren gegen einen 22-jähriger Delmenhorster wegen mehrfachen schweren Raubes und räuberischer Erpressung eröffnet worden. Insgesamt 23 Mal soll der Angeklagte im September und Oktober 2014 in verschiedene Geschäfte unter anderem in Oldenburg, Bremen, Wildeshausen und Vechta eingedrungen sein und die Herausgabe von Geld und Wertgegenständen verlangt haben.

Überfälle wegen Drogen- und Alkoholsucht

Am ersten Verhandlungstag gab der junge Mann etwa die Hälfte der ihm vorgeworfenen Taten zu. Demnach war er bei 13 Überfällen maskiert und entweder mit Schraubenzieher, Messer und Eisenstange bewaffnet. „Wir gehen davon aus, dass es sich um Beschaffungskriminalität handelte“, gab Gerichtssprecher Michael Hermann eine Einschätzung ab. „Der Mann ist alkohol- und drogensüchtig.“

Flucht aus Entziehungsanstalt

Der Angeklagte verübte die Raubserie bei seiner Flucht aus einer Entziehungsanstalt: Der Mann ist einschlägig vorbestraft, 2013 wurde er wegen Raubes zu einer Einheitsjugendstrafe verurteilt. Im Rahmen dieser Strafe ist der Delmenhorster in eine Psychiatrie in Brauel (Kreis Rotenburg) eingewiesen worden, aus der er im Herbst 2014 floh. Aus der Klinik für forensische Psychiatrie und Psychotherapie entkam er bei einem Ausgang auf einem umzäunten Hof. Die Taten verübte er während seiner zwei Monate währenden Flucht.

Landesweite Diskussion

Der Fall hatte zusammen mit anderen Fluchtfällen landesweit eine Diskussion über die Personalausstattung und die Sicherheit im Maßregelvollzug losgetreten. Mitte September war der heute 22-Jährige ausgebrochen, erst Ende Oktober wurde eine Ziel- und Öffentlichkeitsfahndung eingeleitet. Das Sozialministerium des Landes Niedersachsen hatte offen eingestanden, dass es nicht genug Personal für die Unterbringung von Kriminellen mit schweren, psychischen Störungen gebe. Verschiedene Berichte des Psychiatrieausschusses des Landes kamen seit Jahren zu dem Schluss, dass die Personalausstattung in Hochsicherheitsbereichen aufgestockt werden müsse.

Der Prozess ist insgesamt auf zehn Verhandlungstage angesetzt. Nächster Termin ist Dienstag, der 4. August.