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29. Jazzfest Kuhglocke jazzt in Delmenhorst mit Alphorn und Vögeln

Von Jasmin Johannsen | 25.11.2018, 19:23 Uhr

Gleich viermal gastierten am Wochenende Jazz-Trios auf der Bühne des kleinen Hauses. Über 600 Zuhörer konnte das 29. Jazzfest mit den vielfältigen Interpreten anziehen.

Beinahe hätte am Samstag im Kleinen Haus der Eindruck entstehen können, dass sich das Publikum auf eine österreichische Alp verirrt hat. Läutete das Trio „David Helbock’s Random/Control“ den zweiten Abend des 29. Delmenhorster Jazzfestes doch mit den typischen Klängen ihrer Heimat ein: Kuhglocken, Alphorn und Vogelgezwitscher. Überhaupt war es sehr ungewöhnlich, was David Helbock, Johannes Bär und Andreas Boger zu bieten hatten.

Zwölf Instrumente im Einsatz

Neben Naturgeräuschen bespielte das Trio auch zwölf Instrumente, reicherte seine Stücke mit viel technischen Klängen und sogar Beatboxen an. Dem Publikum gefiel dieser überraschend amüsante Jazz so gut, dass es das Trio selbst nach geforderter Zugabe nicht gehen lassen wollte.

Mischung aus Museum und Spielwiese

„Hier auf der Bühne sieht es aus wie eine Mischung aus Museum und Spielwiese“, hatte zuvor Annett Becker-Edert, künstlerische Leiterin des Jazz-Festes, die drei Österreicher angekündigt. Was darauf folgte, war eine frische und innovative Interpretation bekannter Jazzhymnen („Take Five“) und unbekannterer Titel („African Marketplace“). Allesamt Kostproben des neuen Albums „Tour d’Horizon-from Brubeck to Zawinul“, auf dem das Trio die Lieblingskompositionen des Bandleaders Helbock spielt. Ob melancholisch („Utviklingssang“), fast schon poppig („Bolivia“) oder Flamenco-lastig („Spain“), die drei Musiker entwickelten sich mit ihrer unbändigen Spielfreude schnell zum Publikumsliebling. „Richtig hypnotisierend“ habe der erste Teil des Konzertabends gewirkt, berichteten einige der rund 160 Zuschauer in der Pause.

Europäische und afrikanische Klangwelten verbunden

Ebenfalls ein Trio gestaltete dann die zweite Hälfte des Abends. Das „Hans Lüdemann Trio Ivoire“ vereinte die europäische und afrikanische Klangwelt miteinander und schuf dadurch einen ganz einzigartigen Sound. Elektronische Komponenten spielten auch bei Lüdemann eine große Rolle, erweiterte er sein akustisches doch auch um das „virtual“ Piano. Zusammen mit Aly Keita am Balaphon und Christian Thomé am Schlagzeug erzeugte Lüdemann so kontrastreiche Rhythmen, die von der deutsch-afghanischen Jazzsängerin Simin Tander stimmlich angereichert wurden.

Auch Kinder und Jugendlich unterhalten

Bereits am Freitagvormittag hatte die Brass Band „Brazzo Brazzone“ die 29. Ausgabe des Jazzfestes mit einem Konzert für Schulklassen im Kleinen Haus eröffnet. Eine Besonderheit in seiner Historie, die prompt belohnt wurde. „300 Kinder und Jugendliche sind zum Konzert gekommen“, freute sich Ann-Katrin Albers vom städtischen Kulturbüro. Mit den drei jungen Musikerinnen des Trios „Saskya“ und dem „Vadim Neselovskyi Trio“ wurde der Eröffnungstag am Freitag vor rund 160 Zuhörerinnen und Zuhörern beendet.

Seinen Abschluss findet das diesjährige Jazzfest am Samstag, 8. Dezember, um 11 Uhr. Dann laden die Initiatorinnen zum Jazzfrühschoppen in die Markthalle. Auf der Bühne wird „Les 4 frères“ aus Bremen mit ihrem „Gipsy Swing zu zweit“ gastieren. Die Karten können im Kulturbüro erstanden werden.