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350 Menschen im Wollepark betroffen Aufklärung vor der Gas- und Wassersperre in Delmenhorst

Von Thomas Breuer | 29.03.2017, 19:15 Uhr

Die Lage ist ernst. Daran lässt Franz-Josef Franke, Geschäftsführer der Diakonie, keinen Zweifel.

Im Moment sieht alles danach aus, als würden den Bewohnern der Hochhäuser Am Wollepark 11 und 12 kurzfristig Gas und Wasser abgedreht, wie von Stadt und Stadtwerken angekündigt. Möglicherweise am Freitag, vielleicht am Wochenende oder auch erst am Anfang kommender Woche. Eine Anfrage unserer Zeitung beantwortete Oberbürgermeister Axel Jahnz am Donnerstag mit den Worten: „Den genauen Zeitpunkt kennen wir noch nicht.“

Vermieter schulden Stadtwerken 200.000 Euro

Was im Einzelnen droht und dass ihre Vermieter Rechnungen über rund 200.000 Euro nicht bezahlt haben, ist den meisten der geschätzt 350 Menschen vor allem osteuropäischer Herkunft, die in den Häusern leben, noch weitgehend unklar. Im Jobcenter haben einige von ihnen etwas davon mitbekommen, das eine oder andere hat sich herumgesprochen.

Nachbarschaftsbüro und Umsonstladen geschlossen

„Das ist eine Situation, in der wir die Menschen informieren müssen“, sagt Franke. Er hat seine verfügbaren Kräfte in drei Zeltpavillons an den Häusern beordert, das Nachbarschaftsbüro sowie der Umsonstladen „Geben & Nehmen“ bleiben dafür bis voraussichtlich Dienstag, 4. April, geschlossen. Mit Ausnahme des Wochenendes werden jeden Tag Diakonie-Mitarbeiter an den Häusern eine Beratung anbieten, unterstützt vom Integrationslotsenteam. Übersetzungen ins Bulgarische, Rumänische, Polnische, Kurdische und Russische sind gesichert.

Diakonie rät zu hundertprozentiger Mietminderung

Doch die Diakonie informiert nicht nur, sie rät den Menschen, auch zu handeln. „Wir empfehlen, sollten Wasser und Gas abgedreht werden, eine hundertprozentige Mietminderung anzukündigen“, sagt Franke. Entsprechende Musterbriefe sind vorbereitet, auch das Verschicken per Einschreiben werde übernommen.

Warum die Menschen unterstützt werden müssen, liegt für Franke auf der Hand: „Das sind Betroffene in zum Teil prekärsten Verhältnissen, die nichts für die Situation können.“ Ohne Gas und Wasser seien die Wohnungen mehr Möbellager als vermietbarer Wohnraum.

Die bisherigen Mieter könnten den Status von Obdachlosen einnehmen, um deren Unterbringung sich dann die Stadt zu kümmern hätte. Sie hat bereits auf freie Kapazitäten in Flüchtlingsunterkünften verwiesen.

Entmietung könnte nächste Schritte einleiten

Die Entmietung ist einer der Hebel, die die Stadt anzusetzen versucht. Ist der Wohnraum nicht mehr vermietbar, schwindet der Wert der ohnehin schon maroden Bauten eklatant. Sie könnten für wenig Geld auf den Markt kommen und von der Stadt für einen Abriss übernommen werden.

Baulich und sozial bedenklich geht es schon jetzt zu. Da manche Wohnungstüren nicht mehr abschließbar sind, bleiben mitunter Kinder in den Wohnungen, um diese zu „bewachen“. Für die Behörden existieren diese jungen Menschen teilweise nicht, weil sie nicht gemeldet wurden. Die Absicht liegt auf der Hand: Die Schulpflicht soll nicht verhindern, dass der Nachwuchs in den Wohnungen bleiben kann.