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40-jähriger Delmenhorster Angeklagter will nur Drogenkonsument sein

Von Ole Rosenbohm | 23.10.2018, 11:55 Uhr

Delmenhorst / Oldenburg Ein 40-jähriger Delmenhorster ist wegen Drogenhandels angeklagt. Der Arbeitslose will täglich bis zu 70 Euro für den eigenen Konsum ausgegeben haben, den Handel bestreitet er.

Seit Mitte 2017 gilt der Bereich rund um den Delmenhorster Bahnhof als „verrufener Ort“ – kein Begriff aus dem Volksmund, sondern eine offizielle polizeiliche Ausweisung, wegen der die Polizei hier ohne Anlass Personen durchsuchen darf und häufiger vor Ort sein will. Einer Zivilstreife lief dort am Abend des vergangenen 24. Januar ein heute 40-jähriger Delmenhorster in die Arme, zwischen den Lippen einen rauchenden Joint. Vor Ort fanden die Beamten bei ihm zwei Tütchen Marihuana und 18 Päckchen Kokain, später mehr in seiner Wohnung. Insgesamt knapp 13 Gramm Kokain und über hundert Gramm Cannabis. Auch ein verbotener Elektroschocker wurde sichergestellt. Am Montag begann der Prozess vor dem Oldenburger Landgericht. Vorwurf: Besitz und Handel von Drogen und der Besitz verbotener Waffen.

Bis zu fünf Gramm Drogen pro Tag

Zum Prozessauftakt gab der Angeklagte den Besitz zu, nicht aber den Handel. Er ziehe täglich bis zu einem Gramm Koks und rauche drei bis vier Gramm Marihuana. Der Stoff sei also nur für eigenen Gebrauch. Die Päckchen habe er so von seinem Dealer bekommen. Der Elektroschocker sei ein Geschenk gewesen, er habe ihn nie benutzt. Für die Höhe der Strafe ist es mitentscheidend, ob ihm das Gericht glaubt, nicht gehandelt zu haben. Anzeichen dafür sind die für einen Verkauf typischen Päckchen.

Szenetypische Stückelung?

Auch stellt sich die Frage, wie der Jobber und Arbeitslosengeld-Empfänger die täglich mindestens 60 bis 70 Euro für Gras und Koks finanziert haben will. Dazu fand die Polizei auch noch Bargeld bei ihm: 374 Euro in „szenetypischer Stückelung“, wie ein aussagender Polizist bemerkte.

Aber irgendwie ist fast jede Aufteilung einer Geldsumme in kleine und große Scheine eine „szenetypische“, gab der Polizist auf Nachfrage des Verteidigers zu. Zudem ist der 40-Jährige bei der Delmenhorster Polizei ein unbeschriebenes Blatt. Das Geld in seiner Tasche habe er zuvor am Automaten gewonnen.

Wichtiger Beweis fehlt

Bei diesem Punkt hat die Polizei offenbar geschlampt. Denn in der nur eineinhalb Kilometer entfernten Spielothek nachgefragt wurde von den Beamten nicht. So sind Videoaufnahmen, die die Geschichte bestätigen und den Angeklagten entlasten könnten, wohl längst überspielt.

Zum Verhandlungstag am 9. November will die Richterin einen Spielhallen-Mitarbeiter als Zeugen vorladen. Unsicher ist, ob sich diese Person gerichtsfest erinnern kann.