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400 Zuschauer unterhalten Premiere in Delmenhorst: Hotelsuite im Ausnahmezustand

Von A. Schnackenburg | 09.10.2016, 15:24 Uhr

Regisseurin Anke Hempel und das NTD zeigen Robin Hawdons rasante Komödie „Een Droom van Hochtiet“ („Perfect Wedding“) in adäquatem Tempo. Am Ende geht ihnen allerdings die Luft aus.

Schneller als Robin Hawdon in „Een Droom van Hochtiet“ („Perfect Wedding“) kann ein Autor sein Publikum kaum in eine Handlung einführen. Die Regisseurin Anke Hempel und das Niederdeutsche Theater Delmenhorst (NTD) versuchen in ihrer plattdeutschen Inszenierung der Komödie das hohe Tempo des Stücks bis ins Finale durchzuhalten – sehr zur Freude des rund 400-köpfigen Premierenpublikums am Samstag im Kleinen Haus.

Wilde Liebesnacht

Kaum hat sich der Vorhang geöffnet, blickt der Zuschauer auf das Bett einer Hotelsuite, in welchem ein nackter Mann und eine nackte Frau liegen. Sie haben offensichtlich eine wilde Liebesnacht zusammen verbracht. Ein zweifelhaftes Glück, wie der Zuschauer sodann erfährt: Denn er, Frank (Markus Flügger), soll in wenigen Stunden heiraten; allerdings nicht sie, Feikje (Alena Vosteen), sondern Martina (Martina Brünjes). Frank versucht reflexartig alles, um den One-Night-Stand mit Feikje in der Hochzeitssuite am Ende eines bierseligen Junggesellenabschieds zu vertuschen.

Mehrere Handlungsstränge beschleunigen Verwirrspiel

Es geht Schlag auf Schlag. Um diesen Eindruck noch zu verstärken, zeigen Hempel und das NTD zeitweise gar mehrere Handlungsstränge. Hierzu hat die Crew die Hotelsuite, in welcher das gesamte Stück spielt, in zwei Zimmer unterteilt, die der Zuschauer permanent gleichzeitig einsehen kann. In beiden passiert immer etwas.

Groteskes Verwechslungsspiel

Bei Feikje handelt es sich, wie sich bald herausstellt, um die Freundin des Trauzeugen Niko (Niklas Müller), der hiervon aber freilich lang nichts weiß. Auch Zimmermädchen Doris (Gesa Schierenstedt), an sich vollkommen unbeteiligt, wird immer tiefer hineingezogen. Das große Verwirr- und Verwechslungsspiel nimmt immer groteskere Formen an, je mehr Figuren auftauchen, beziehungsweise türeknallend wieder verschwinden. Jeder scheint jeden zu belügen, alle kochen sie ihre eigenen Süppchen.

Rasanter Komödie geht am Ende die Luft aus

Der Zuschauer hat seinen Spaß, zumal im ersten Akt von „Een Droom van Hochtiet“. Danach erliegt Hempel allerdings der Versuchung, die Darsteller zu früh, zu oft und zu laut auf 180 gehen zu lassen. Sie haben auf diese Weise zulasten des Finales schließlich nichts mehr zuzusetzen. Die Schlusspointen verpuffen eher, als dass sie Knalleffekte erzielten. Sehenswert aber bleibt diese Produktion dennoch.